und der steuerfinanzierte Migrationskomplex saß am Steuer des Fluchtwagens
Es gibt Momente, in denen dieses Land innehalten müsste. Am Montag, dem 29. Juni, kurz nach zwölf Uhr mittags, in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade. Ein sogenanntes Hilfeplangespräch, der wohl unspektakulärste Termin, den die deutsche Jugendhilfe zu bieten hat. Menschen sitzen an einem Tisch, um über das Wohl eines drei Monate alten Babys zu beraten. Dann zieht ein 45-jähriger Mann eine Schusswaffe und richtet sechs von ihnen kaltblütig hin. Vier Frauen, zwei Männer. Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamts der Region Hannover. Menschen, die morgens zur Arbeit gefahren sind, um ein Kind zu schützen. Die Staatsanwaltschaft spricht von Heimtücke und niederen Beweggründen, von sechsfachem Mord. Es ist eine der schwersten Bluttaten der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Während das offizielle Deutschland noch seine Betroffenheitsformeln sortiert, kommt nun ein Detail ans Licht, das dieser Tat eine Dimension gibt, über die niemand hinwegsehen darf: Am Steuer des Fluchtwagens saß eine 65-jährige Frau aus Bremen. Keine verirrte Zufallsbekanntschaft. Sondern eine hauptberufliche Familien- und Migrationsberaterin einer bundesweit tätigen Lobbyorganisation, die sich als Interessenvertretung migrantischer Familien versteht und zu Familiennachzug, Aufenthaltsrecht und Einbürgerung berät – eine Organisation, die allein für 2025 und 2026 fast 900.000 Euro aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ kassiert haben soll. Steuergeld. Unser Geld. Man muss das einen Moment sacken lassen: Sechs Bedienstete des Staates wurden kaltblütig ermordet, weil dieser Staat ein Baby vor seinen Eltern schützen wollte. Und die Frau, die den mutmaßlichen Mörder zum Tatort fährt und nach den Schüssen mit ihm flieht, verdient ihr Geld ausgerechnet in jenem üppig alimentierten NGO-Geflecht, das sich seit Jahren als moralische Oberaufsicht dieser Republik aufführt.
Eine Aktivistin, ein Mercedes, viele Fragen
Die Details sind so grotesk, dass man sie kaum erfinden könnte. Das Fluchtfahrzeug, ein Mercedes-Benz GLE Coupé mit knapp 400 PS – ein Wagen, der je nach Ausstattung sechsstellig kostet –, wurde fünf Wochen vor der Tat auf die 65-Jährige umgemeldet. Warum? Von wem? Wer bezahlt einer Migrationsberaterin im Rentenalter einen solchen Wagen, oder wer parkt ihn auf ihren Namen? Das sind Fragen, auf die die Öffentlichkeit Antworten verdient, und zwar vollständige. Die Frau ist, wie sie selbst angibt, die Patentante des Babys, um das der Sorgerechtsstreit tobte. Drei Tage vor der Tat verschickte sie ein rund 20-seitiges Schreiben an Medienhäuser mit dem Titel „Chronologie eines Albtraums“. Darin schwere Vorwürfe gegen die Medizinische Hochschule Hannover, gegen das Jugendamt, gegen die Behörden: Die Verletzungen des Kindes seien kein Schütteltrauma, sondern ein Unfall gewesen. Der Vater: fürsorglich.
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie hat inzwischen bestätigt, dass die drei Monate alte Tochter wegen eines Schütteltraumas behandelt wurde. Gegen beide Elternteile läuft ein Verfahren wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener. Der Vater fiel bereits auf, als er Klinikärzte bedroht haben soll; ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung läuft. Er soll sogar versucht haben, eine Notoperation des eigenen Kindes per Polizeieinsatz zu verhindern. Das ist der Mann, für den die Beraterin drei Tage vor sechs kaltblütigen Morden ihr flammendes Plädoyer an die Presse schickte. Das ist der Mann, den sie zum Termin chauffierte. Das ist der Mann, mit dem sie im PS-Monster vom Tatort raste, bis die Polizei den Wagen stoppte. Natürlich gilt: Was die 65-Jährige wusste, ob sie ahnte, was geschehen würde, ob sie Beihilfe leistete oder selbst benutzt wurde – das müssen die Ermittler klären. Sie ist wieder auf freiem Fuß, die Staatsanwaltschaft hat gegen sie keine Untersuchungshaft beantragt, ihre Tatbeteiligung ist ausdrücklich noch Gegenstand der Ermittlungen. Wer hier vorschnell verurteilt, macht denselben Fehler wie jene, die er kritisiert. Aber die politische Frage stellt sich völlig unabhängig vom Strafrecht. Und sie lautet: Was ist das für ein Milieu, in dem eine steuerfinanzierte Beraterin derart die Bodenhaftung verliert, dass sie sich mit Haut und Haaren auf die Seite eines Mannes schlägt, gegen den wegen Kindesmisshandlung ermittelt wird – gegen Ärzte, gegen Gerichte, gegen das Jugendamt, gegen den letzten Rest staatlicher Schutzfunktion?
Der Reflex ist einprogrammiert
Die Antwort liegt auf der Hand, und sie ist unbequem. In Teilen des subventionierten NGO-Kosmos ist der Verdacht gegen den Staat zur Berufsauffassung geronnen. Behörden gelten dort nicht als Institutionen, die im Zweifel ein Baby vor gebrochenen Rippen und Hirnblutungen bewahren, sondern als strukturell rassistische Apparate, gegen die man „Betroffene“ verteidigen muss. Wenn ein Jugendamt einem Vater mit türkischen Wurzeln das Kind entzieht, dann kann in dieser Weltsicht nicht das Kindeswohl der Grund sein – dann muss es Diskriminierung sein. Diese Brille wird nicht trotz, sondern mit Steuergeld finanziert. „Demokratie leben!“ heißt das Programm, aus dem Jahr für Jahr Hunderte Millionen in ein Geflecht aus Vereinen, Beratungsstellen und Kampagnenbüros fließen, die sich gegenseitig Haltungsnoten ausstellen und jeden, der das System hinterfragt, als Feind der Demokratie markieren.
Nun wurden sechs Menschen kaltblütig ermordet, die den Kern dessen verkörperten, was ein funktionierender Staat leisten muss: den Schutz der Schwächsten. Erschossen bei der Arbeit. Und die Begleiterin des mutmaßlichen Mörders kam aus genau jener Ecke, die sich sonst bei jeder Gelegenheit als Hüterin der Menschlichkeit inszeniert. Man stelle sich für eine Sekunde die umgekehrte Konstellation vor. Ein Attentäter erschießt sechs Jugendamtsmitarbeiter, und am Steuer des Fluchtwagens sitzt ein Funktionär aus dem Umfeld einer rechten Bürgerbewegung. Die Republik stünde still. Sondersendungen, Lichterketten, Verbotsdebatten binnen Stunden, Innenminister im Dauereinsatz, Demokratieabgabe für alle. Hier aber? Der Ministerpräsident bittet darum, „keine voreiligen Schlüsse zu ziehen“. Der Bundespräsident ist „tief erschüttert“. Der Kanzler twittert Mitgefühl. Alles richtig, alles wohlfeil – und alles darauf angelegt, dass die eigentlichen Fragen im Betroffenheitsnebel verschwinden.
Die Fragen, die jetzt auf den Tisch gehören
Erstens: Wie kommt ein Mann, der polizeibekannt war, unter anderem wegen Drohungen, und der keinerlei Waffenerlaubnis besaß, an eine Schusswaffe, mit der er sechs Menschen exekutiert? Während der brave Sportschütze in diesem Land für jede Patrone drei Formulare ausfüllt, besorgen sich die Falschen ihre Waffen offenbar mühelos. Zweitens: Warum konnte ein Vater, gegen den wegen Misshandlung des eigenen Säuglings ermittelt wurde, der Ärzte bedrohte und eine Notoperation blockieren wollte, unbehelligt und unkontrolliert zu einem Hilfeplangespräch erscheinen? Wer hat die Gefährdungslage der Mitarbeiter eingeschätzt – und wie? Drittens, und das ist die politischste aller Fragen: Wann durchleuchtet endlich jemand den Fördersumpf namens „Demokratie leben!“? Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler Organisationen mit Hunderttausenden Euro mästet, deren Mitarbeiter dann in privater Mission gegen die Institutionen dieses Staates zu Felde ziehen – bis hin zur Fahrt im Fluchtwagen eines sechsfachen Mordverdächtigen. Jeder Euro aus diesem Programm gehört auf den Prüfstand, jede geförderte Organisation in die Transparenzpflicht. Wer vom Staat lebt, hat dem Staat Rechenschaft abzulegen. Punkt. Sechs Familien haben Väter, Mütter, Töchter und Söhne durch kaltblütige Morde verloren. Kollegen stehen unter Schock, eine ganze Berufsgruppe fragt sich, ob sie morgen noch sicher zur Arbeit gehen kann. Sie alle haben mehr verdient als Kerzen und Textbausteine. Sie haben Aufklärung verdient – schonungslos, vollständig, ohne Rücksicht darauf, wessen Fördermittel dabei ins Rutschen geraten. Ein Staat, der seine eigenen Kinderschützer nicht schützen kann und gleichzeitig deren lauteste Gegner finanziert, hat den Kompass verloren. Es wird Zeit, ihn wiederzufinden.