Die stille Kapitulation und das neue Tabu

Die Umfrage, die alles verriet

Bereits im Jahr 2006, als die Debatte um Multikulturalismus noch mit jenem naiven Optimismus geführt wurde, der später so bitter enttäuscht werden sollte, offenbarte eine Umfrage eine schockierende Kluft: 68 Prozent der Muslime in Großbritannien hielten die Beleidigung des Islam für ein strafwürdiges Vergehen. Diese Zahl, erhoben zu einer Zeit, in der Tony Blair noch von der Stärke britischer Werte schwärmte, war kein Ausreißer, sondern ein seismisches Signal. Sie zeigte, dass ein beträchtlicher Teil der zugewanderten Gemeinschaft nicht die liberalen Errungenschaften der Aufklärung – freie Kritik, Satire, Blasphemie als Kunstform – übernahm, sondern umgekehrt von der Gastgesellschaft die Unterwerfung unter religiöse Empfindlichkeiten verlangte. Statt diese Haltung als integrationspolitisches Alarmsignal zu behandeln, wählte das Vereinigte Königreich den Weg der Beschwichtigung, der schrittweisen Kapitulation. Politische Eliten, Akademiker und Medien begannen, Kritik am Islam reflexhaft als „Islamophobie“ zu brandmarken, ein Begriff, der sich als rhetorische Keule bewährte, um jede unangenehme Debatte im Keim zu ersticken. Es war, als hätte man beschlossen, dass die britische Tradition des ungeschminkten Wortes – von Jonathan Swift über George Orwell bis hin zu den Monty Python – vor dem Altar fremder Sensibilitäten geopfert werden müsse. Während christliche Blasphemiegesetze längst abgeschafft waren, entstand durch die Hintertür ein de-facto-Schutz für eine einzige Religion. Polizisten, die sich um „Community Relations“ kümmerten, lernten schnell, dass ein Tweet über den Propheten mehr Ärger verursachen konnte als reale Gewalt in manchen Vierteln. Die Kapitulation trug den sanften Mantel der Toleranz, doch darunter lauerte die Feigheit vor der Konfrontation mit einer Ideologie, die sich selbst als unantastbar definierte.

Starmers Vervierfachung der Zensur

Seit Keir Starmer die Macht übernahm, hat sich diese schleichende Erosion zur offenen Offensive entwickelt. Die Free Speech Union, jene tapfere Bastion unter der Leitung von Toby Young, verzeichnete eine Vervierfachung der Fälle, in denen Bürger wegen Kritik am Islam oder an muslimischen kulturellen Praktiken belangt wurden. Lehrer, die in Klassenzimmern auf Parallelgesellschaften hinwiesen, Comedians, die Witze über den Schleier wagten, oder ganz normale Bürger, die auf sozialen Medien historische Fakten über Eroberungen und Scharia zitierten – sie alle gerieten ins Visier eines Staates, der plötzlich mehr Energie in die Verteidigung religiöser Gefühle investierte als in die Aufrechterhaltung der eigenen kulturellen Souveränität. Dies geschah noch bevor die Labour-Regierung ihre „Definition von anti-muslimischer Feindseligkeit“ offiziell einführte, jenes Dokument, das wie ein Trojanisches Pferd in die Institutionen eingeschleust wurde. Die Arbeitsgruppe, die diese Definition erarbeitete, bestand aus fünf handverlesenen Mitgliedern, von denen jedes enge Verbindungen zu islamistischen Organisationen aufwies – ein Umstand, den selbst die Free Speech Union in scharfen Briefen und Analysen anprangerte. Dominic Grieve KC als Vorsitzender, Professor Javed Khan und weitere Figuren mit Nähe zu Muslim Council of Britain oder MEND: Sie alle hatten zuvor schon die umstrittene APPG-Definition unterstützt, die Islamkritik als „Rassismus“ umdeutete. Es war, als hätte man Füchse beauftragt, die Regeln für den Hühnerstall zu schreiben. Starmer, der einst als Anwalt für Menschenrechte posierte, orchestrierte damit eine Politik, die George Orwell als „Newspeak“ erkannt hätte: Worte wie „Kritik“ werden zu „Feindseligkeit“, Satire zu „Hass“, und der gesunde Menschenverstand zum Verdachtsmoment.

TIP:  Österreich im freien Fall

Die Rückkehr der Blasphemie durch die Hintertür

Dieser neue Eifer hat etwas zutiefst Zynisches. Großbritannien, das einst Voltaire verteidigte und Salman Rushdie vor Fatwas schützte, knickt nun ein, weil Wählerblöcke und Angst vor Unruhen schwerer wiegen als Prinzipien. Die Definition von „anti-muslimischer Feindseligkeit“ ist keine harmlose Richtlinie, sondern ein Instrument, das jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Integration, Parallelgesellschaften, Grooming Gangs oder der Rolle des Islam in Terrorstatistiken kriminalisieren kann. Toby Young warnte zu Recht, dass damit sogar historisch unbestreitbare Fakten – etwa die gewaltsame Ausbreitung des Islam seit dem siebten Jahrhundert – unter Verdacht geraten. Es ist die subtile Restauration eines Blasphemiegesetzes, das offiziell nie wieder eingeführt werden sollte. Humorvoll betrachtet erinnert das Ganze an einen schlechten Sketch: Ein Land, das jahrhundertelang Könige enthauptete, Parlamente stärkte und die freie Presse erfand, zittert nun vor der Möglichkeit, dass jemand den Koran kritisiert oder eine Mohammed-Karikatur zeichnet. Die gleichen Progressiven, die „Piss Christ“ als Kunst feierten, fordern plötzlich Respekt vor einer Religion, deren heilige Texte Frauen, Apostaten und Homosexuellen wenig Respekt entgegenbringen. Die Ironie ist beißend: Während echte Opfer von Islamistengewalt – ex-muslimische Aktivisten, säkulare Muslime, britische Frauen in bestimmten Vierteln – im Stich gelassen werden, schützt der Staat die Gefühle jener, die eben diese Freiheiten ablehnen. Starmer und seine Mitstreiter haben die klassische Appeasement-Strategie neu erfunden: Gib ihnen, was sie fordern, und hoffe, dass der Löwe satt wird. Die Geschichte lehrt jedoch, dass der Appetit mit jedem Bissen wächst.

Das Ende der liberalen Illusion

Die britische Kapitulation steht exemplarisch für ein Europa, das seine eigenen Werte verrät, um den Frieden zu erkaufen – einen Frieden, der sich als trügerisch erweist. Die 68 Prozent aus dem Jahr 2006 waren keine vorübergehende Meinung, sondern ein kultureller Graben, den man durch Beschwichtigung nur vertieft hat. Statt klare Erwartungen an Integration zu stellen – Akzeptanz von Kritik, Gleichberechtigung, Säkularität des Staates –, hat man Parallelgesellschaften geduldet und Kritiker mundtot gemacht. Das Ergebnis ist eine gespaltene Gesellschaft, in der die Free Speech Union überquillt vor Fällen und die Polizei Prioritäten setzt, die mehr mit Twitter-Mobs als mit realer Kriminalität zu tun haben. Es bleibt ein zynisches Schauspiel: Die Linke, die einst gegen jede Form von Zensur wetterte, erfindet nun neue Tabus, um ihre multikulturelle Utopie am Leben zu halten. Namen wie Keir Starmer, Tahir Ali oder die Mitglieder jener Arbeitsgruppe werden in die Annalen der Selbstaufgabe eingehen. Die Satire schreibt sich fast von selbst: Ein ehemaliges Weltreich, das den freien Geist erfand, beugt sich nun vor Empfindlichkeiten, die es früher belächelt hätte. Ob dieses Experiment in kultureller Unterwerfung friedlich endet oder in weiteren Unruhen, hängt davon ab, ob Großbritannien noch rechtzeitig den Mut findet, seine eigenen Werte zu verteidigen – statt sie für Stimmen und Ruhe zu verscherbeln.

TIP:  An alle, die im Westen die Kufiya tragen

Die Uhr tickt, und die Definitionen werden immer länger, während die Freiheit immer kürzer wird.