Man könnte ja den 15. Juli 2016 auch einmal nutzen, sich ein paar andere Aspekte des Herren Erdogan im Zusammenhang mit Österreich anzusehen.


Wien 16.7.2016

Zum Beispiel:

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist als Körperschaft öffentlichen Rechts offizielle Vertretung und zuständig für die Verwaltung der religiösen Belange der in Österreich lebenden Muslime.  Die IGGiÖ, die mehr als 250 muslimische Verbände in ganz Österreich repräsentiert, bietet staatlich finanzierten islamischen Religionsunterricht an den österreichischen öffentlichen und privaten Schulen an.

Nun gab es einen Wechsel an der Spitze. Fuat Saut Sanac von der national-fundamentalistischen Milli Görüs (“Nationale Sicht“) geht als Vorsitzender und Ibrahim Olgun von ATIB (Avusturya Türkiye Islam Birligi, Österreichische türkisch-islamische Union) kommt und mit ihm der noch direktere Einfluss von Erdogan über die von Ankara gesteuerte ATIB.

Übrigens: Ibrahim Olgun war ab 2014 als Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht für verschiedene Wiener Bezirke und deren Pflichtschulen tätig. (In Wien gibt es Schulen mit deutlich über 50 Prozent Schülern muslimischer Prägung. Die Daten bestätigen einen massiven demographischen Wandel in Österreich)

Die Türkisch-islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATİB) untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des “staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten(Diyanet) der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Der Vorsitzender von ATIB ist Botschaftsrat an der türkischen Botschaft und die Imame an den ATIB-Moscheen werden von der türkischen Regierung ausgebildet und bezahlt. Sie ist nach eigener Angabe mit 75.000 Mitgliedern mit Abstand der größte Verband von Muslimen in Österreich und verwaltet ca. 60 Gebetsstätten.

Somit steht sie im direkten Einfluss eines Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den die Türkei ein Hort der Pressefreiheit ist. „Nirgendwo ist die Presse freier als in der Türkei“, sagte Erdogan in einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Konferenz in der Hauptstadt Ankara. „Ich bin mir sehr sicher, wenn ich das sage“, fuhr Erdogan fort. In der Türkei sei es den Medien sogar gestattet, „Beleidigungen, üble Nachrede, Diffamierungen, Rassismus und Volksverhetzung zu begehen, die nicht einmal in demokratischen Ländern toleriert werden“. Er selbst habe diese Erfahrungen am eigenen Leibe gemacht.

Die islamisch-konservative AKP hat bei den in Österreich lebenden Türken die absolute Mehrheit der Stimmen für sich eingeholt. Bei den letzten Wahlen stimmten beinahe 70 Prozent der Wähler in Österreich für die Partei Recep Tayyip Erdogans.

ANMERKUNG: Seit seinem Amtsantritt muss Recep Tayyip Erdogan sich ungefähr drei Mal am Tag beleidigt gefühlt haben. Nachdem er im August 2014 von der Regierungsbank in den Präsidentenpalast wechselte, gingen bei der türkischen Justiz fast 2000 Klagen auf der Grundlage von Paragraf 299 des türkischen Strafgesetzbuches ein.
Download PDF