Die große Illusion der moralischen Weltrettung

In den heiligen Hallen der klimapolitischen Selbstgefälligkeit, wo jedes Gramm Kohlendioxid zur existenziellen Bedrohung stilisiert wird und jeder Verzicht zum Akt der moralischen Erhabenheit, entfaltet sich ein Schauspiel von geradezu klassischen Dimensionen der Heuchelei. Während in den westlichen Breitengraden der Bürger mit CO2-Steuern, Wärmepumpenpflichten und dem schleichenden Verbot fossiler Annehmlichkeiten überzogen wird, als hinge das Schicksal des Planeten allein von der Temperatursenkung in deutschen Wohnzimmern ab, rollt im Fernen Osten unbeeindruckt die Dampfwalze der Industrialisierung weiter. China, jenes Reich der Mitte, das längst zur Werkbank der Welt und zum unangefochtenen Meister der Emissionsbilanz avanciert ist, errichtet Kohlekraftwerke in einem Tempo, das an die Bauwut der großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts erinnert. Hunderte Einheiten stehen bereits im Bau oder in fortgeschrittenen Planungsstadien, und weitere Hunderte befinden sich in der Pipeline – eine Kapazitätserweiterung, die in Gigawatt gemessen die gesamte deutsche Stromerzeugung mehrfach in den Schatten stellt. Und während man hierzulande den Bürger für jede zusätzliche Kilowattstunde zur Kasse bittet, um das Klima zu „retten“, speist der asiatische Riese seine Fabriken, Städte und Hochgeschwindigkeitszüge weiterhin mit der schwarzen Kohle, als sei das eine Erfindung der guten alten Zeit und keineswegs der Feind der Menschheit.

Kohle für den Drachen, Steuern für den Bürger

Die Zahlen entfalten eine eigene, bittere Poesie. Während deutsche Kraftwerke stillgelegt, abgerissen oder in teure Reserveeinheiten verwandelt werden, um dem ideologischen Reinheitsgebot Genüge zu tun, wächst die chinesische Kohleflotte unaufhaltsam. Neue und reaktivierte Projekte erreichen Rekorde, Inbetriebnahmen übertreffen das, was andere große Nationen in ganzen Jahrzehnten hinzufügen. Die Logik dahinter ist simpel und zynisch zugleich: Energieversorgungssicherheit geht vor moralischer Pose. China sichert sich die Basis für wirtschaftliches Wachstum, für die Produktion jener Solarpaneele und Windräder, die man anschließend in den Westen exportiert, wo man sie als Symbole der eigenen Tugendhaftigkeit aufstellt. Der deutsche Steuerzahler finanziert indirekt mit, indem er höhere Energiepreise zahlt, während die Industrie abwandert und die Emissionen schlicht verlagert werden – ein globaler Nullsummenspiel-Wahn, der nur in den PowerPoint-Präsentationen der Klimaaktivisten als Fortschritt erscheint. Man könnte lachen, wenn es nicht so teuer wäre. Die absurde Pointe liegt darin, dass dieselbe Nation, die den Westen mit preiswerten Gütern überschwemmt und dabei den größten Teil des globalen Kohleverbrauchs für sich beansprucht, zugleich als Opfer des Klimawandels und als bedürftiger Partner in Erscheinung tritt.

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Entwicklungshilfe an den Weltraumreisenden

Noch grotesker wird das Bild, wenn man den Blick auf die finanziellen Transfers richtet. Jahr für Jahr fließen aus deutschen Kassen Summen in dreistelliger Millionenhöhe in Richtung China – Summen, die in den Statistiken der Entwicklungshilfe auftauchen, auch wenn die offizielle Rhetorik inzwischen peinlich berührt von „klassischer bilateraler Zusammenarbeit“ Abstand nimmt. Ein Land, das eine eigene ständig bemannte Raumstation betreibt, die Tiangong, die mittlerweile erweitert wird und regelmäßig Besatzungen beherbergt, während die Internationale Raumstation ihrem Ende entgegenblickt, gilt in manchen Zählungen noch immer als Empfänger von Mitteln, die eigentlich für echte Not leidende Staaten vorgesehen wären. Studenten an deutschen Hochschulen, punktuelle Klimaprojekte, kirchliche Initiativen und Kredite – alles fließt in die Statistik ein und erzeugt den Eindruck, man subventioniere einen Entwicklungsland-Status, den China selbst mit eiserner Hand verteidigt. Der gleiche Status, den Länder wie Mosambik oder Gabun tragen, jene Staaten, deren Wirtschaftskraft und technologische Fähigkeiten in keinem Verhältnis zu den chinesischen Supermärkten, Hochgeschwindigkeitsstrecken und Weltraumambitionen stehen. Man überweist quasi dem Nachbarn, der gerade seinen privaten Raumhafen ausbaut, noch etwas Taschengeld für die „nachhaltige Entwicklung“, während man zu Hause die Heizung drosselt.

Der Status des ewigen Entwicklungslandes

Diese Selbstklassifikation als Entwicklungsland ist ein Meisterstück diplomatischer List. China behält den Status bei, selbst wenn es jüngst darauf verzichtet hat, bestimmte Sondervergünstigungen in Handelsverhandlungen einzufordern. Es bleibt Mitglied der „Globalen Süd“, ein ewiger Bedürftiger mit Atomwaffen, Flugzeugträgern und einer Wirtschaft, die den Westen in zentralen Schlüsselindustrien überholt hat. Die Absurdität erreicht ihren Höhepunkt, wenn man bedenkt, dass dieses Land gleichzeitig selbst Entwicklungshilfe vergibt, Infrastruktur in Afrika finanziert und Einflusszonen ausbaut – und dennoch in westlichen Statistiken als Empfänger figuriert. Der deutsche Bürger hingegen, der weder eine Raumstation noch Hunderte neuer Kohlekraftwerke plant, soll mit CO2-Abgaben, Emissionszertifikaten und dem schleichenden Umbau seines Lebensstils die Welt retten. Als sei der Planet ein moralisches Konto, auf dem europäische Verzichte die asiatischen Emissionen ausgleichen könnten. Die Realität ist nüchterner: Emissionen kennen keine Nationalgrenzen, und wer die Industrie verlagert, verlagert lediglich die Schuldgefühle.

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Die absurde Logik der Klimarettung

Am Ende entpuppt sich das ganze Unternehmen als eine grandiose Selbsttäuschung mit teuren Folgen. Man predigt globale Verantwortung und handelt national selbstzerstörerisch. Man verlangt vom Bürger Opfer, während man dem größten Emittenten der Welt weiterhin den Status des Schützlings zugesteht und sogar Mittel zukommen lässt. Die Satire schreibt sich beinahe von selbst: Ein Land mit Weltraumprogramm und Kohleboom wird als Entwicklungshilfe-Empfänger geführt, während der Mittelstand in Deutschland für die Rettung des Klimas zur Ader gelassen wird. Es ist, als würde man dem schwergewichtigen Nachbarn beim Bau eines weiteren Swimmingpools zusehen und gleichzeitig dem eigenen Kind das Abendessen kürzen, um „gemeinsam abzunehmen“. Die Heuchelei ist so dick aufgetragen, dass sie beinahe komisch wirkt – wäre da nicht der ernste Unterton der wirtschaftlichen Selbstschwächung und der ideologischen Verbohrtheit. Irgendwann wird die Geschichte diese Episode als ein Lehrstück darüber verbuchen, wie moralischer Übereifer und geopolitische Naivität Hand in Hand gehen können, während der pragmatische Riese im Osten einfach weitermacht – mit Kohle, mit Raumstation und mit einem Lächeln über die westlichen Gewissensbisse.