Es gibt Nachrichten, die so absurd erscheinen, dass selbst Satiriker sie zunächst verwerfen. Nicht etwa, weil sie zu übertrieben wären, sondern weil sie jeder Übertreibung spotten. Die Realität besitzt gelegentlich die unangenehme Eigenschaft, jede Karikatur zu überholen. In solchen Momenten steht die politische Satire vor einem Problem: Wie soll etwas persifliert werden, das bereits wie die Persiflage seiner selbst wirkt? Die Nominierung der Islamischen Republik Iran für den Vorsitz eines Ausschusses der Vereinten Nationen, der sich mit Frauenrechten, Menschenrechten und Terrorismusbekämpfung befasst, gehört zweifellos in diese Kategorie. Dass diese Nominierung darüber hinaus von Staaten wie Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich unterstützt wurde, verleiht dem Vorgang eine zusätzliche Dimension. Es ist der Moment, in dem sich die Wirklichkeit mit einem höflichen Lächeln vor den Kabarettisten verbeugt und erklärt, deren Dienste seien vorläufig nicht mehr erforderlich.
Die Kunst der institutionellen Ironie
Die Vereinten Nationen waren stets ein Ort bemerkenswerter diplomatischer Verrenkungen. Schließlich handelt es sich um eine Organisation, deren Mitglieder von liberalen Demokratien bis zu autoritären Regimen reichen. Das allein erklärt manche Widersprüche. Doch gelegentlich erreicht die institutionalisierte Ironie eine Höhe, die selbst geübte Beobachter sprachlos macht. Wenn ein Staat, in dem Frauen für Verstöße gegen Kleidungsvorschriften verhaftet werden, in dem Dissidenten in Gefängnissen verschwinden und in dem politische Gegner regelmäßig mit der Härte eines Systems konfrontiert werden, das seine Legitimation nicht aus Zustimmung, sondern aus Kontrolle bezieht, ausgerechnet im Bereich Frauenrechte eine Führungsrolle übernehmen soll, dann entsteht ein Bild von geradezu literarischer Schönheit. Es erinnert an die Vorstellung, einen notorischen Brandstifter zum Leiter der Feuerwehr zu ernennen, weil er über außergewöhnlich umfangreiche praktische Erfahrungen mit Feuer verfügt.
Man muss die Eleganz dieser Logik bewundern. Wer könnte schließlich besser über die Einschränkung von Frauenrechten Auskunft geben als jemand, der sie systematisch praktiziert? Wer wäre kompetenter, über Menschenrechtsverletzungen zu referieren, als ein Staat, gegen den Menschenrechtsorganisationen seit Jahrzehnten umfangreiche Berichte veröffentlichen? Und wer könnte die Bekämpfung des Terrorismus überzeugender koordinieren als eine Regierung, deren regionale Aktivitäten seit Jahren Gegenstand heftiger internationaler Kontroversen sind? In einer Welt, die zunehmend auf Expertise setzt, erscheint diese Auswahl beinahe konsequent. Der Spezialist soll schließlich über sein Fachgebiet sprechen.
Das diplomatische Theater der ernsten Gesichter
Besonders faszinierend ist dabei die Rolle der europäischen Unterstützer. Frankreich, Spanien und das Vereinigte Königreich präsentieren sich seit Jahrzehnten als Verteidiger liberaler Werte, als Bannerträger der Menschenrechte und als politische Erben jener Aufklärung, die Freiheit und individuelle Würde zum Maßstab staatlichen Handelns erklärte. Die Reden klingen eindrucksvoll. Die Erklärungen sind feierlich. Die Resolutionen werden mit bedeutungsvoller Miene verlesen. Die Empörung über Menschenrechtsverletzungen gehört zum festen Repertoire außenpolitischer Kommunikation.
Doch dann erscheint eine Abstimmung, ein Ausschuss, eine Kandidatur – und plötzlich gewinnt die politische Akrobatik olympische Dimensionen. Dieselben Staaten, die regelmäßig mahnende Worte über die Lage der Frauen im Iran finden, entdecken offenbar gleichzeitig die Eignung Teherans, einen entsprechenden Ausschuss anzuführen. Es ist die diplomatische Version jener berühmten Filmszene, in der ein Bankräuber zum Vorsitzenden einer Ethikkommission für Finanzinstitute gewählt wird und niemand im Raum auch nur die geringste Irritation erkennen lässt.
Die Gesichter bleiben ernst. Die Formulierungen bleiben würdevoll. Die Pressemitteilungen vermeiden jede Spur von Humor. Vielleicht ist genau das der eigentliche Höhepunkt der Angelegenheit. Niemand lacht. Niemand scheint zu bemerken, dass die Situation längst den Bereich politischer Tragik verlassen und die Bühne der Groteske betreten hat.
George Orwell reicht nicht mehr aus
Früher hätte man für solche Konstellationen auf George Orwell verwiesen. Doch selbst Orwell wirkt mittlerweile beinahe konservativ. Seine Dystopien basierten noch auf der Annahme, dass Macht zumindest den Versuch unternehmen müsse, Widersprüche zu verschleiern. Die Gegenwart scheint darüber hinauszugehen. Heute werden Widersprüche nicht mehr verborgen, sondern offen präsentiert. Sie stehen mitten im Raum, tragen Namensschilder und werden mit höflichem Applaus begrüßt.
Die Formel lautet nicht mehr: Krieg ist Frieden. Die moderne Variante könnte lauten: Repression ist Qualifikation. Wer besonders deutlich gegen die postulierten Ziele eines Gremiums verstößt, scheint dadurch eine besondere Eignung für dessen Leitung zu erwerben. Die Logik wirkt zunächst paradox, besitzt jedoch einen gewissen institutionellen Charme. Sie erlaubt es, jede Kritik durch Verweis auf Dialog, Inklusion und multilaterale Zusammenarbeit zu entschärfen. Dass dadurch die Glaubwürdigkeit der betreffenden Institutionen schrittweise erodiert, erscheint als bedauerlicher, aber offenbar akzeptabler Nebeneffekt.
Die Republik der Symbole
Die eigentliche Tragik liegt nicht einmal in der Personalie selbst. Ausschüsse kommen und gehen. Vorsitzende wechseln. Resolutionen verschwinden in Archiven. Schwerer wiegt die symbolische Botschaft. Internationale Organisationen leben von Glaubwürdigkeit. Ihre Autorität beruht nicht auf Armeen oder Polizeikräften, sondern auf dem Vertrauen, dass die von ihnen vertretenen Prinzipien ernst gemeint sind.
Wenn jedoch die Hüter der Menschenrechte regelmäßig Regime in Schlüsselpositionen befördern, deren Bilanz mit eben diesen Menschenrechten in offenkundigem Konflikt steht, beginnt dieses Vertrauen zu bröckeln. Dann entsteht der Eindruck, dass Werte vor allem dekorative Elemente internationaler Politik darstellen. Sie schmücken Reden wie Kronleuchter einen Ballsaal. Beeindruckend anzusehen, aber nicht unbedingt entscheidend für das tatsächliche Geschehen.
So wird aus der Nominierung des Iran weit mehr als eine diplomatische Kuriosität. Sie wird zu einem Symbol für die seltsame Entkopplung von Anspruch und Wirklichkeit, die viele internationale Institutionen erfasst hat. Die Rhetorik bewegt sich in den Höhen moralischer Prinzipien, während die Praxis gelegentlich in Regionen operiert, die eher an absurdes Theater erinnern.
Das letzte Lachen
Vielleicht besteht die größte Ironie darin, dass die Verantwortlichen solche Entscheidungen häufig im Namen der Glaubwürdigkeit internationaler Zusammenarbeit treffen. Doch jede derartige Episode liefert den Kritikern genau jene Argumente, die diese Organisationen eigentlich entkräften möchten. Das Problem entsteht nicht durch Spötter, Skeptiker oder Satiriker. Das Problem entsteht durch Entscheidungen, die wie eine Satire aussehen, obwohl sie keine sind.
Am Ende bleibt das Bild eines internationalen Systems, das mit ernster Miene eine Szene aufführt, die selbst einem besonders einfallsreichen Kabarettisten zu unrealistisch erschienen wäre. Der Iran als Kandidat für den Vorsitz eines Ausschusses für Frauenrechte, Menschenrechte und Terrorismusbekämpfung. Unterstützt von westlichen Demokratien. Offiziell. Tatsächlich. Ohne Pointe.
Und genau darin liegt die Pointe.