Die offene Schnauze der neuen Herren

Mittlerweile hat die Verstellung ihre Nützlichkeit verloren. Was einst hinter geschlossenen Türen, in Seminarräumen und Stiftungsberichten gehaucht wurde, ertönt nun im Freien, ungeschminkt und mit jener selbstgefälligen Kälte, die nur dem zukommt, der sich der eigenen Unantastbarkeit sicher wähnt. Man hat die Nase voll. Nicht von schlechtem Wetter oder überfüllten Zügen, sondern von den Deutschen selbst, und unter diesen besonders von jenen, die noch den Anstand besitzen, sich Christen zu nennen. Die alte Bevölkerung, dieses beharrliche, unbelehrbare Residuum aus Kirchenglocken, Sparbüchern und einem seltsam zähen Sinn für Grenzen, taugt nicht länger als Rohstoff für die großen Projekte. Sie wählt falsch, sie denkt falsch, sie weigert sich, die eigene Auflösung als Fortschritt zu begrüßen. Also wird unumwunden angekündigt, was früher nur in verschlüsselten Formeln kursierte: Man wird sich ein neues Wahlvolk zulegen. Nicht etwa, weil dem alten irgendeine objektive Untugend anhaftete, sondern weil es schlicht nicht mehr passt. Es ist zu sehr es selbst. Man bastelt, man mischt, man importiert, und am Ende soll ein demographisches Kunstprodukt übrigbleiben, das dankbar und formbar ist, das keine unbequemen Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit oder kultureller Kontinuität stellt. Die Ironie dabei ist so dick aufgetragen, dass sie selbst dem Blindesten auffallen müsste: Dieselben Stimmen, die jede Kritik an dem Vorgang als Rassismus brandmarken, betreiben ihn mit der kühlen Präzision eines Züchters, der eine unerwünschte Rasse aus dem Stall entfernt.

Das Vokabular der Unfähigkeit

In diesem Zusammenhang erweist sich der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ als eine der intellektuellen Bankrotterklärungen, die nur eine Gesellschaft hervorbringen kann, die längst den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat. Er gehört zum dümmsten Inventar jener Latte-Macchiato-Bourgeoisie, die ihre moralische Überlegenheit in veganen Cafés und auf Kongressen zelebriert, während sie gleichzeitig die demografische Landschaft ihres eigenen Landes umpflügt. Denn dem Islamkritiker ist es gänzlich gleichgültig, welche genetischen Merkmale die Träger der kritisierten Lehre aufweisen. Hautfarbe, Nasenform oder Chromosomensatz spielen keine Rolle; entscheidend ist die Lehre selbst, ihre historischen Konsequenzen, ihre Unvereinbarkeit mit säkularen Freiheiten und ihre beharrliche Weigerung, sich den Errungenschaften der Aufklärung zu unterwerfen. Wer dies „Rassismus“ nennt, verrät lediglich, dass er den Unterschied zwischen Gene und Mem nicht mehr kennt oder absichtlich verwischt. Noch dümmer sind die Pathologisierungen „Islamophobie“ und „Homophobie“. Sie verwandeln begründete Abwehr in eine angebliche Krankheit, als ob der Mensch, der vor dem Feuer zurückschreckt, an einer Phobie leide und nicht etwa an einem gesunden Selbsterhaltungstrieb. Kritik wird so nicht widerlegt, sondern entwertet; der Kritiker wird nicht als Irrender, sondern als Kranker behandelt. Es ist der klassische Griff derer, die keine Argumente mehr besitzen und deshalb den Gegner für verrückt erklären müssen.

TIP:  Was uns der Vormärz heute noch zu sagen hat

Die neue Anthropologie der Macht

Was hier stattfindet, ist nichts weniger als der Versuch, die Anthropologie selbst umzuschreiben. Der Mensch soll nicht länger als Träger einer konkreten Geschichte, einer Sprache, einer religiösen Prägung betrachtet werden, sondern als austauschbares Material, das sich nach den Bedürfnissen der Herrschenden neu zusammensetzen lässt. Die alten Deutschen, besonders die christlichen, sind in dieser Sichtweise ein Störfaktor: zu stolz, zu skeptisch, zu wenig bereit, die eigene Selbstaufgabe als Tugend zu verkaufen. Also wird das Volk ausgetauscht, und zwar ganz offen, ohne die früheren Verschleierungen. Die Satire schreibt sich dabei selbst, denn dieselben Kreise, die jeden Hinweis auf demografische Veränderungen als Verschwörungstheorie denunzieren, verkünden gleichzeitig, dass genau diese Veränderungen notwendig und willkommen seien. Man will das Wahlvolk, das einem gefällt, und man beschafft es sich, indem man die Grenzen öffnet und die Folgekosten der Allgemeinheit aufbürdet. Die Polemik muss hier zynisch werden, weil die Realität bereits zynisch ist: Eine Elite, die sich für moralisch unfehlbar hält, während sie die Grundlagen der eigenen Gesellschaft systematisch untergräbt und die Kritik daran als Krankheit abtut. Die Humorlosigkeit, mit der dieses Unterfangen betrieben wird, macht es umso komischer. Man stelle sich vor, ein Gärtner erklärte, er hasse Rosen, weil sie zu sehr nach Rosen rochen, und pflanzte statt ihrer Disteln, nur um dann jeden, der die Disteln kritisierte, als rosenphobisch zu beschimpfen. Genau dieses Schauspiel läuft ab. Die Latte-Macchiato-Bourgeoisie hat sich ein neues Vokabular gebastelt, das dümmer kaum sein könnte, und benutzt es, um die eigene Umgestaltung der Gesellschaft gegen jede Einrede abzuschirmen. Islamkritik hat nichts mit Rasse zu tun, und wer das behauptet, offenbart nur die eigene begriffliche Verarmung. Phobie-Begriffe dienen der Entmündigung, nicht der Aufklärung. Und das offene Eingeständnis, dass man das alte Wahlvolk nicht mehr mag und sich deshalb ein neues besorgen wird, ist der endgültige Beweis, dass die Maske gefallen ist. Was bleibt, ist die kalte Feststellung, dass eine Gesellschaft, die sich selbst derart verachtet, auf Dauer keinen Anspruch auf Fortbestand erheben kann – und dass die Satire, so polemisch sie auch ausfallen mag, dem Geschehen nur mühsam hinterherhinkt.