In der langen und mitunter skurrilen Chronik internationaler Diplomatie gibt es wenige Phänomene, die so beharrlich, so ritualhaft und zugleich so ergebnisarm ablaufen wie die wiederholte Darreichung eines eigenen Staates an die palästinensische Führung – und deren ebenso wiederholte, beinahe choreographierte Zurückweisung. Zehnmal, in unterschiedlichen Jahrzehnten und unter wechselnden Vorzeichen, wurde dem arabischen Bevölkerungsteil des ehemaligen Mandatsgebiets die Möglichkeit einer eigenständigen staatlichen Existenz offeriert; zehnmal wich man aus, lehnte ab oder ließ die Gelegenheit in Gewalt und Maximalforderungen versanden. Die Jahre und Angebote bilden eine eindrucksvolle Kette: 1937 die Peel-Kommission mit ihrem Teilungsvorschlag eines kleinen jüdischen und eines größeren arabischen Staates; 1947 der Teilungsplan der Vereinten Nationen, der zwei Staaten und eine internationalisierte Zone vorsah; 1949 die Verhandlungen im Gefolge der Waffenstillstandsabkommen, die Anerkennung und begrenzte Rückkehrmöglichkeiten in Aussicht stellten; 1967 die Chance nach dem Sechstagekrieg, Territorien im Austausch gegen Frieden und Anerkennung zurückzuerhalten; 1978 die im Camp-David-Rahmen vereinbarte Autonomie für Westjordanland und Gaza als Vorstufe zu Selbstbestimmung; 1993 der Oslo-Prozess, der eine schrittweise Übergabe von Kompetenzen und den Weg zu endgültiger Staatlichkeit eröffnete; 2000 die Verhandlungen von Camp David mit weitreichenden territorialen Zugeständnissen und geteilter Hauptstadt; 2001 die Gespräche von Taba, die nochmals Annäherungen an eine umfassende Regelung brachten; 2005 der einseitige Rückzug aus Gaza als praktische Gelegenheit zur Selbstverwaltung; und 2008 das umfassende Angebot, das nahezu das gesamte umstrittene Gebiet mit Gebietsaustauschen und Regelungen für Jerusalem umfasste. Jedes Mal blieb die Antwort ein Nein, mal laut, mal stillschweigend, mal begleitet von neuer Gewalt – und jedes Mal stellte sich die Frage nach dem tieferen Warum mit einer Hartnäckigkeit, die selbst die geduldigsten Beobachter allmählich in zynisches Staunen versetzt.
Die frühen Ablehnungen als Grundstein des Musters
Bereits in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass es nicht um die bloße Größe des zugeteilten Territoriums oder um die Details der Grenzen ging, sondern um etwas Grundsätzlicheres. Die Peel-Kommission von 1937 hatte, nachdem blutige Unruhen die Unhaltbarkeit des gemeinsamen Lebens unter Mandatsherrschaft demonstriert hatten, eine Teilung vorgeschlagen, die dem arabischen Anteil den Löwenanteil des Landes zugewiesen hätte; die Antwort war kategorische Ablehnung, verbunden mit der Forderung nach einem einheitlichen arabischen Staat, in dem die jüdische Bevölkerung bestenfalls als geduldete Minderheit hätte existieren dürfen. Zehn Jahre später wiederholte sich das Schauspiel auf internationaler Bühne: Der Teilungsplan der Vereinten Nationen bot zwei Staaten an, und während die eine Seite den Vorschlag akzeptierte, antwortete die andere mit Krieg. Die Ironie liegt in der historischen Konsequenz: Wer die Teilung verweigert, erhält am Ende oft weniger, und doch wird der Verzicht auf den eigenen Staat später als Beweis für die Unmöglichkeit des Zusammenlebens umgedeutet. Schon hier zeigte sich eine Haltung, die den eigenen Staat nur dann willkommen hieß, wenn er die Auslöschung des anderen einschloss – eine Logik, die man als maximalistische Romantik bezeichnen könnte, wäre sie nicht so folgenschwer für die eigene Bevölkerung gewesen.
Die Nachkriegsjahre und die Kunst des kategorischen Neins
Nach 1948 und erneut 1967 boten sich weitere Gelegenheiten, die jedoch mit einer Konsequenz ausgeschlagen wurden, die an theologische Prinzipientreue erinnert. 1949, als Waffenstillstandslinien existierten und Verhandlungen über Frieden und begrenzte Rückkehr möglich gewesen wären, blieb die Anerkennung der neuen Realität aus. 1967, nach einer weiteren militärischen Niederlage, hätte der Austausch von Land gegen Frieden und Normalisierung den Weg zu einem eigenen Staat geebnet; statt dessen verkündete die arabische Gipfelkonferenz die berühmten drei Neins – kein Frieden, keine Anerkennung, keine Verhandlung –, eine Formel, die den eigenen Staat gleich mitverzichtete, solange der Nachbarstaat weiterbestehen durfte. Hier erreichte die Ablehnung eine fast komische Klarheit: Lieber kein eigener Staat als ein Staat neben dem verhassten Gegenüber. Die zynische Pointe besteht darin, dass dieselbe Haltung, die den eigenen Menschen Jahrzehnte der Besatzung und des Flüchtlingsstatus bescherte, später als Ausdruck unerschütterlichen Widerstands verklärt wurde, während die internationalen Beobachter fleißig die Opferrolle nährten, ohne jemals die Frage zu stellen, warum man den angebotenen Schlüssel zur Tür der Souveränität immer wieder in den Sand warf.
Autonomie, Oslo und die Gipfel der Nullerjahre als Fortsetzung der Farce
Die späteren Jahrzehnte brachten raffiniertere Angebote, die den Weg zur Staatlichkeit über Autonomie und schrittweise Übergabe ebnen sollten, doch das Muster blieb intakt. 1978 sah das Camp-David-Abkommen eine gewählte Selbstverwaltungsbehörde für die umstrittenen Gebiete vor – eine klare Vorstufe zu eigenständiger Staatlichkeit, die von der damaligen Führung jedoch als Verrat abgelehnt wurde. Der Oslo-Prozess ab 1993 schuf Institutionen, Territorien unter eigener Kontrolle und eine Roadmap zur endgültigen Regelung; als es 2000 und 2001 in Camp David und Taba um die konkreten Details eines lebensfähigen Staates mit Hauptstadtanteilen und territorialen Kompromissen ging, folgte wiederum die Verweigerung, begleitet von einer neuen Welle der Gewalt. 2005 bot der Rückzug aus Gaza die praktische Möglichkeit, ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen; statt dessen entstand ein anderes Regime der Konfrontation. 2008 schließlich lag ein Angebot auf dem Tisch, das in seiner Großzügigkeit selbst skeptische Beobachter überraschte – und wieder blieb die Antwort aus oder fiel ablehnend aus. Die literarische Qualität dieser Wiederholungen liegt in ihrer beinahe absurden Regelmäßigkeit: Jedes Mal wird mehr geboten, jedes Mal wird es als unzureichend empfunden, und jedes Mal erscheint der eigene Staat als zu kleiner Preis für den Verzicht auf die totale Negation des anderen.
Der wahre Kern der Ablehnung hinter dem Schleier der Opfererzählung
Warum also diese beharrliche Verweigerung, die über Generationen hinweg den eigenen Menschen den Staat vorenthält, während man zugleich die fehlende Staatlichkeit als größtes Unrecht der Gegenwart beklagt? Die Antwort liegt nicht in unzureichenden Angeboten – die Geschichte der Zugeständnisse widerlegt diese Behauptung mit ermüdender Deutlichkeit –, sondern in einer fundamentalen Ablehnung der Existenzberechtigung des Nachbarstaates selbst. Ein eigener Staat würde die Anerkennung einer jüdischen Souveränität auf einem Teil des Landes erfordern, und genau diese Anerkennung gilt in der vorherrschenden Ideologie als Verrat an der Vorstellung eines ungeteilten arabischen oder islamischen Raums „vom Fluss bis zum Meer“. Der Staat wird nicht angestrebt als Zweck an sich, sondern als Zwischenstation oder gar als Ablenkung von dem eigentlichen Ziel der Rückgängigmachung von 1948. Hinzu kommt die bequeme Ökonomie der Opferrolle: Solange kein Staat existiert, fließen Hilfsgelder, bleibt die moralische Hochposition unangefochten, und die Führung kann sich der banalen Mühen des Regierens, des Wirtschaftens und der Verantwortung für das eigene Volk entziehen. Die zynische Komik dieser Konstellation besteht darin, dass die internationale Gemeinschaft den Kreislauf unermüdlich mitfinanziert und beklagt, ohne jemals die simple Logik zu Ende zu denken: Wer zehnmal den Schlüssel zur eigenen Tür zurückweist, dem geht es offenbar nicht um die Tür, sondern um das Haus des Nachbarn. In dieser Haltung spiegelt sich weniger ein nationaler Traum als eine existenzielle Verweigerung – und solange sie andauert, bleibt der eigene Staat eine ewige Zukunftsmusik, die man lieber ungespielt lässt, als sie neben der des anderen erklingen zu lassen.