Es sind jene Tage, an denen Zahlen plötzlich sprechen lernen, allerdings nicht in der nüchternen Sprache der Statistik, sondern im pathetischen Tonfall einer politischen Pressekonferenz, irgendwo zwischen Erweckung und Selbsthypnose, wo ein Plus von 2,5 Prozent sich anfühlt wie die Rückkehr des Wirtschaftswunders, obwohl es bei näherer Betrachtung eher an das flackernde Aufglimmen eines Streichholzes im Wind erinnert, dessen Licht mehr Schatten wirft als es erhellt; und so steht sie da, die deutsche Industrie, geschniegelt von Monatsvergleichen und Hoffnung getragen, während sie zugleich auf zwei Beinen humpelt, von denen eines in Stahl gegossen ist und das andere bereits im Morast der Konsumflaute versinkt, und die eigentümliche Ironie dieser Lage besteht darin, dass gerade dort, wo es am lautesten nach Aufschwung klingt, der leiseste Verdacht nach Verdrängung mitschwingt.
Die Kunst der statistischen Verzauberung
Denn wer den Blick hinter die Kulissen wagt, entdeckt rasch, dass es sich bei der viel beschworenen Belebung weniger um eine organische Regeneration handelt als vielmehr um eine Art ökonomisches Bühnenbild, kunstvoll beleuchtet, aber fragil in seiner Substanz, ein Arrangement, das nur so lange trägt, wie der Scheinwerfer auf den richtigen Sektor gerichtet bleibt; und dieser Sektor, so viel Ehrlichkeit sei erlaubt, hat mit zivilem Fortschritt ungefähr so viel zu tun wie ein Panzer mit urbaner Lebensqualität, denn die erstaunliche Dynamik konzentriert sich ausgerechnet dort, wo man früher von „Sonderbedarf“ sprach und heute von sicherheitspolitischer Notwendigkeit, eine begriffliche Aufrüstung, die fast so schnell voranschreitet wie die materielle.
Man könnte versucht sein, sich an die alten Lehrbücher zu erinnern, an jene staubigen Kapitel über Nachfrageimpulse und staatliche Investitionen, an die wohlmeinenden Gleichungen, die suggerieren, dass es letztlich gleichgültig sei, wofür Geld ausgegeben wird, solange es nur ausgegeben wird, doch die Realität zeigt sich einmal mehr als unwillige Schülerin dieser Theorien, denn sie stellt die unangenehme Frage, ob ein ökonomischer Impuls, der auf Zerstörungspotenzial basiert, tatsächlich dieselbe Qualität besitzt wie einer, der auf Innovation, Konsum oder zivilen Fortschritt zielt.
Der geteilte Körper der Ökonomie
So entsteht das Bild einer Wirtschaft, die sich spaltet wie ein antiker Tragödienheld, innerlich zerrissen zwischen dem Drang zur Selbstbehauptung und der schleichenden Erosion ihrer Lebensgrundlagen, und während der militärische Komplex expandiert, schrumpft der Alltag, als hätte sich die Realität entschlossen, die Prioritätenliste eigenständig neu zu sortieren, zugunsten jener Bereiche, die am wenigsten mit dem täglichen Leben zu tun haben und am meisten mit dessen potenzieller Zerstörung; der Einzelhandel verliert, die Gastronomie darbt, die Kaufkraft wird von einer Inflation angenagt, die sich mit der Diskretion eines höflichen Diebes verhält, und irgendwo dazwischen steht der Bürger, statistisch entlastet, faktisch belastet.
Es ist eine eigentümliche Dialektik, in der die Stärke des einen Sektors die Schwäche des anderen nicht kompensiert, sondern kaschiert, und die Ironie besteht darin, dass gerade jene Zahlen, die als Beleg für Stabilität herangezogen werden, in Wahrheit Symptome einer Verschiebung sind, die langfristig eher an eine Verlagerung von Problemen erinnert als an deren Lösung.
Schulden als Staatsräson
Natürlich ließe sich all dies mit dem Hinweis relativieren, dass Staaten seit jeher in Krisenzeiten zu außergewöhnlichen Mitteln greifen, dass Schulden kein moralisches, sondern ein funktionales Instrument darstellen, und dass Geschichte ohne Defizite vermutlich eine sehr viel langweiligere Angelegenheit wäre; doch selbst wohlmeinende Beobachter könnten ins Grübeln geraten, wenn aus dem Instrument ein Selbstzweck wird, wenn die Kreditaufnahme nicht mehr als Brücke, sondern als Dauerzustand erscheint, als ökonomische Komfortzone, in der sich politische Entscheidungen zunehmend von ihrer realwirtschaftlichen Wirkung entkoppeln.
Die Vorstellung, dass sich Wohlstand durch Verschuldung beliebig reproduzieren ließe, besitzt einen gewissen Charme, ähnlich dem Gedanken, man könne durch häufiges Wiegen an Gewicht verlieren, doch die Erfahrung legt nahe, dass solche Konzepte meist nur so lange funktionieren, wie niemand genau hinsieht, und genau hier liegt das Problem: Die Zahlen werden gesehen, aber nicht gelesen, gefeiert, aber nicht verstanden, und so entsteht eine Form der kollektiven Selbstberuhigung, die mit Rationalität nur noch lose verwandt ist.
Panzer statt Perspektiven
Wenn also der industrielle Aufschwung ausgerechnet dort seinen Ursprung findet, wo Stahl gehärtet und nicht Ideen geschmiedet werden, dann ist dies weniger ein Zeichen von Stärke als ein Indikator für eine Verschiebung der Prioritäten, die man mit einem gewissen Zynismus auch als Fortschritt bezeichnen könnte, sofern Fortschritt als Bewegung in irgendeine Richtung definiert wird, unabhängig von deren Ziel; und tatsächlich scheint sich die Ökonomie in eine Richtung zu bewegen, in der klassische Industrien an Bedeutung verlieren, während jene Branchen florieren, deren Produkte im besten Fall abschrecken und im schlimmsten Fall eingesetzt werden.
Es ist ein Fortschritt eigener Art, ein Fortschritt mit eingebautem Verfallsdatum, denn was heute als Wachstum verbucht wird, könnte morgen als Fehlallokation erscheinen, sobald die politischen Rahmenbedingungen sich ändern oder die finanziellen Spielräume enger werden, und die Geschichte ist reich an Beispielen für Boomphasen, die sich im Rückblick als Vorboten struktureller Krisen entpuppten.
Epilog eines scheinbaren Aufschwungs
Am Ende bleibt das Bild einer Wirtschaft, die sich selbst feiert, während sie sich neu erfindet, allerdings nicht unbedingt zum Besseren, sondern eher zum Notwendigeren, und die eigentliche Pointe dieser Entwicklung liegt vielleicht darin, dass sie sich mit den Mitteln der Statistik so elegant verschleiern lässt, dass der Eindruck von Normalität entsteht, wo in Wahrheit ein tiefgreifender Wandel stattfindet; ein Wandel, der nicht laut daherkommt, sondern in Prozentpunkten, nicht in Schlagzeilen, sondern in Tabellen, und gerade deshalb so schwer zu greifen ist.
Und so marschiert sie weiter, diese Ökonomie auf Kriegspfad, geschniegelt von Zahlen und begleitet von einem leisen, fast höflichen Zweifel, ob das alles wirklich so gemeint war oder ob sich hier nicht vielmehr ein System in Bewegung gesetzt hat, dessen Logik sich irgendwann selbst genügt – mit einem Augenzwinkern, versteht sich, denn ohne Humor wäre diese Entwicklung kaum zu ertragen.