Ein Refugium aus der Zeit der biologischen Klarheit

Im Berner Freibad Marzili existiert noch ein kleiner, abgetrennter Winkel, der Frauen vorbehalten bleibt: das Paradiesli, ein FKK-Bereich, der nicht auf Inklusion, sondern auf Abgrenzung setzt. Hier suchen Frauen Schutz vor männlichen Blicken, vor der physischen Präsenz von Penis und Hoden, vor der unvermeidlichen Asymmetrie nackter Körper, die in gemischten Anlagen stets zugunsten des stärkeren, sichtbar erigierten Geschlechts ausfällt. Der Ort beruht auf einer simplen, jahrhundertealten Einsicht: In Räumen vollständiger Entblößung entscheidet das biologische Geschlecht über Komfort, Sicherheit und die Möglichkeit, sich überhaupt zu entspannen. Wer das bestreitet, bestreitet nicht nur die Anatomie, sondern auch die praktische Erfahrung unzähliger Frauen, die genau deshalb dorthin gehen.

Der biologische Mann betritt das weibliche Paradies

Am 28. Juni erscheint in diesem Areal eine Person, die sich als Frau identifiziert, deren Körper jedoch mit aller Deutlichkeit das Gegenteil verkörpert: dichte Körperbehaarung an Brust, Bauch und Gliedmaßen, sichtbare männliche Geschlechtsorgane, die unverhüllt zur Schau gestellt werden. Es handelt sich nicht um eine Frau mit atypischer Hormonlage oder um eine seltene Intersex-Variante, sondern um einen erwachsenen biologischen Mann, der den weiblichen Rückzugsort für sich beansprucht. Die Wirkung ist unmittelbar. Die anwesenden Frauen fühlen sich belästigt, nicht weil sie ideologisch verbohrt wären, sondern weil sie mit einem nackten männlichen Körper konfrontiert werden, den sie nicht sehen, nicht dulden und nicht in diesem Kontext haben wollen. Die Badeleitung, konfrontiert mit den Beschwerden, ruft die Polizei. Die Person leistet Widerstand und wird schließlich in Handschellen abgeführt – ein Vorgang, der in jeder anderen Konstellation als legitime Durchsetzung von Hausrecht gelten würde.

Die sprachliche Entsorgung der Realität

Die Stadt Bern findet für diesen Vorgang eine Formulierung von beinahe poetischer Verlegenheit: Die Person sei „aufgrund einiger körperlicher Merkmale als nicht weiblich gelesen“ worden. Man stelle sich vor, man beschriebe einen Elefanten im Wohnzimmer als „aufgrund einiger anatomischer Merkmale als nicht katzenförmig wahrgenommen“. Die biologischen Tatsachen – Penis, Hoden, ausgeprägte Behaarung, Skelettbau – werden nicht geleugnet, sie werden lediglich zu einem subjektiven Lesevorgang degradiert, für den niemand verantwortlich ist. Diese Rhetorik erlaubt es, die Intervention der Polizei als willkürliche Transfeindlichkeit darzustellen, während die eigentliche Grenzüberschreitung – die Anwesenheit eines nackten Mannes im weiblichen Nacktbereich – zur Nebensache schrumpft. Es ist die klassische Technik der Umkehrung: Nicht der Eindringling stört die Ordnung, sondern diejenigen, die die Ordnung aufrechterhalten wollen.

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Der empörte Aktivismus als moralische Überlegenheit

Kaum ist die Festnahme bekannt, schlägt die aktivistische Maschinerie an. Transfeindlichkeit wird diagnostiziert, polizeiliche Gewalt angeprangert, eine Demonstration für Transrechte organisiert. In dieser Lesart wird der biologische Mann zum Opfer struktureller Unterdrückung, während die Frauen, die in ihrem intimen Bereich gestört wurden, als Kollaborateurinnen einer rückständigen Geschlechterordnung erscheinen. Die Tatsache, dass ein nackter männlicher Körper in einem weiblichen FKK-Bereich objektiv eine Belästigung darstellt, wird nicht diskutiert, sondern als Ausdruck von Vorurteil umgedeutet. Der Kulturkampf zeigt hier seine typische Asymmetrie: Die subjektive Identifikation eines Einzelnen wird zur universellen Norm erhoben, während die kollektive Erfahrung von Frauen – die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Schutzräume – als diskriminierend abgetan wird.

Die Entschuldigung der Stadt bei der falschen Seite

Die Stadt Bern reagiert mit der ihr eigenen institutionellen Demut: Sie entschuldigt sich bei der Trans-Community. Nicht bei den Frauen, deren Rückzugsort gestört wurde, sondern bei jenen, die den Störfall herbeigeführt haben. Die neue Richtlinie lautet: Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, haben Zugang zum Paradiesli. Im Zweifelsfall entscheidet das amtliche Geschlecht im Ausweis. Die betroffene Person habe die Zutrittsregelung erfüllt. Mit dieser Erklärung wird der biologische Mann, der mit Penis und Behaarung im weiblichen Nacktbereich stand, nachträglich zum regelkonformen Gast erklärt. Die Stadt zieht damit die logische Konsequenz aus der Selbstidentifikationslogik: Wer sich als Frau fühlt, ist es für die Zwecke des Zutritts. Die sichtbare Realität wird zum irrelevanten Detail.

Was das Selbstbestimmungsgesetz in der Praxis bedeutet

Vielen Frauen wird in diesem Moment schlagartig klar, worum es bei der Forderung nach uneingeschränkter Selbstbestimmung tatsächlich geht. Es geht nicht um das Recht, in Ruhe zu leben oder Kleider zu tragen, die einem gefallen. Es geht um die systematische Entwertung biologischer Kategorien in allen Bereichen, in denen diese Kategorien bisher Schutz und Abgrenzung ermöglichten. Ein nackter biologischer Mann mit Penis darf künftig in den weiblichen FKK-Bereich, solange er nur die passende Identität äußert oder einen geänderten Ausweis vorlegt. Die Frauen, die dorthin gehen, um eben diesem Anblick zu entgehen, haben kein Veto mehr. Ihre Unbehagen wird als transphob pathologisiert, ihre Forderung nach sexueller Abgrenzung als Hass. Das Paradiesli verliert damit seine Funktion: Es wird nicht mehr zum Ort weiblicher Selbstbestimmung, sondern zum Testfeld, ob die subjektive Identifikation eines biologischen Mannes schwerer wiegt als die objektive körperliche Integrität vieler Frauen.

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Der Kulturkampf und seine Verliererinnen

Der Konflikt ist damit nicht beigelegt, sondern nur verschoben. Auf der einen Seite stehen die institutionellen und aktivistischen Kräfte, die darauf bestehen, dass Geschlecht eine Frage der inneren Überzeugung und bürokratischer Einträge ist. Auf der anderen Seite die Frauen, die weiterhin darauf beharren, dass in bestimmten Kontexten – insbesondere dort, wo Nacktheit die Regel ist – das biologische Geschlecht eine reale, nicht verhandelbare Bedeutung hat. Der Vorfall im Paradiesli hat gezeigt, wie diese beiden Positionen nicht friedlich koexistieren können. Wo das eine Prinzip siegt, verliert das andere. Die Stadt Bern hat sich entschieden. Die Frauen im Paradiesli dürfen sich künftig fragen, ob sie den Ort noch aufsuchen können, ohne riskieren zu müssen, dass ein biologischer Mann mit sichtbarem Penis neben ihnen liegt und die Institutionen ihm recht geben werden. Das ist keine Paranoia. Das ist die direkte, praktische Folge einer Ideologie, die biologische Realität für diskriminierend erklärt und weibliche Schutzräume für überholt.