Ein Altösterreicher in der Zweiten Republik

Karl Alfons von Portele zählt zu jenen Persönlichkeiten des österreichischen Legitimismus, deren Leben untrennbar mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus verbunden war. Sein Wirken erschöpfte sich nicht in traditionsbewusster Pflege altösterreichischer Kultur oder im korporativen Leben, sondern gründete in einer politischen Haltung, für die er unter dem NS-Regime mit dem Leben hätte bezahlen sollen.

Bereits in den Jahren vor dem „Anschluss“ bekannte sich von Portele offen zur österreichischen Eigenstaatlichkeit und zur legitimistischen Idee des Hauses Habsburg. Für ihn war Österreich keine bloße territoriale Restgröße, sondern Träger einer historischen Mission Mitteleuropas – katholisch geprägt, supranational gedacht und bewusst gegen den völkischen Nationalismus gerichtet. Gerade deshalb geriet er früh in Gegensatz zu den Nationalsozialisten.

Im Widerstand schloss sich Karl Alfons von Portele der monarchistischen Gruppe um Wilhelm Burian an, einer jener legitimistischen Widerstandsorganisationen, die nach 1938 unter größter Gefahr gegen das NS-Regime arbeiteten. Diese Kreise verband die Hoffnung auf eine Wiedererrichtung eines freien Österreichs in Verbindung mit dem Haus Habsburg und die entschiedene Ablehnung des nationalsozialistischen Totalitätsanspruchs. Anders als viele opportunistische Zeitgenossen hielten die Mitglieder dieser Gruppen auch unter massivem Druck an ihrer Überzeugung fest.

Die Tätigkeit der Burian-Gruppe blieb den nationalsozialistischen Behörden nicht verborgen. Von Portele wurde verhaftet und geriet in die Hände der Gestapo. Die Haft und die Verhöre bedeuteten für ihn eine existentielle Grenzerfahrung. Wegen seiner Beteiligung am monarchistischen Widerstand wurde er von den Nationalsozialisten sogar zum Tode verurteilt. Dass dieses Urteil letztlich nicht vollstreckt wurde, war nicht Ausdruck von Milde, sondern Ergebnis der sich verändernden Kriegslage in den letzten Jahren des Regimes. Die Erfahrung, dem Tod durch ein totalitäres System unmittelbar gegenübergestanden zu haben, prägte ihn für sein weiteres Leben tief.

Gerade aus dieser Bewährungsprobe erwuchs nach 1945 seine moralische Autorität innerhalb der legitimistischen und altösterreichischen Kreise Österreichs. Für Karl Alfons von Portele war Monarchismus nie nostalgisches Gesellschaftsspiel, sondern eine Überzeugung, für die Menschen im Widerstand gelitten hatten und zu sterben bereit gewesen waren. Gemeinsam mit ehemaligen Mitstreitern und Gesinnungsfreunden aus dem Umfeld des historischen Corps der Ottonen hielt er die Erinnerung an den monarchistischen Widerstand wach.

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Besonders prägend wurde dabei seine Rolle bei der Wiederbelebung des „Geistes der Ottonen“. Aus den gemeinsamen Erfahrungen von Verfolgung und Gestapo-Haft heraus ließ er den Gedanken des Corps der Ottonen im Farbstudentischen Männerbund Lutetia-Parisiorum neu entstehen. Dieser Bund verstand sich nicht bloß als Traditionsgemeinschaft, sondern als Fortsetzung jenes österreichisch-patriotischen Ethos, das bereits die monarchistischen Widerstandskämpfer getragen hatte: Toleranz gegenüber Herkunft und Weltanschauung einerseits, kompromisslose Treue zur österreichischen Idee andererseits.

Unter Hofrat von Portele wurde Lutetia-Parisiorum zu einem Zentrum legitimistischer Erinnerungskultur im Wien der Nachkriegszeit. Viele jüngere Korporierte begegneten durch ihn erstmals jener Generation, die dem Nationalsozialismus aktiv widerstanden hatte. Seine Persönlichkeit verband historische Authentizität mit menschlicher Bescheidenheit und unbeirrbarer Prinzipientreue.

Auch als Alter Herr des KÖML Corps Victoria prägte er junge Personen, unter andern den Autor.

So bleibt Karl Alfons von Portele nicht nur als bedeutender Korporierter und Monarchist in Erinnerung, sondern vor allem als österreichischer Widerstandskämpfer, der wegen seiner Treue zu Österreich und zum Haus Habsburg vom NS-Regime zum Tode verurteilt wurde – und dessen späteres Wirken ganz im Zeichen jener Idee stand, für die er einst bereit war zu sterben.