Die ewige Rückkehr des Salon-Sozialisten

In der österreichischen Medienlandschaft, wo der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF mit der Würde einer staatstragenden Institution auftritt, erscheint Heinz Fischer wie ein zuverlässiger Talisman, den man immer wieder aus der Tasche zieht, sobald „Common Sense“ verkauft werden soll. Der ehemalige Bundespräsident, dessen Auftritte mit der gravitätischen Gelassenheit eines weisen Staatsmannes inszeniert werden, dient als Garant für jene gemäßigte Weisheit, die in Wahrheit nur die Fortsetzung jahrzehntelanger politischer Fehlurteile darstellt. Hinter der Fassade des besonnenen Elder Statesman verbirgt sich ein Apparatschik, dessen Biografie ein Lehrbuchbeispiel für opportunistisches Lavieren, ideologische Verblendung und den bequemen Rückzug aus Verantwortung ist. Es ist eine bittere Komödie der österreichischen Politik: Ein Mann, der sich zeitlebens auf der falschen Seite der Geschichte positionierte, wird nun als moralische Instanz präsentiert, während seine Verfehlungen diskret im Schatten der offiziellen Erinnerungskultur ruhen. Die augenzwinkernde Ironie liegt darin, dass ausgerechnet dieser Vertreter eines verkrusteten Systems als Verkörperung von Vernunft und Ausgleich gefeiert wird – ein Schauspiel, das die Zuschauer mit der sanften Gewissheit zurücklässt, dass die alten Netzwerke noch immer funktionieren.

Der Freund der Diktatoren und seine nächtlichen Sympathien

Wer Heinz Fischers außenpolitische Neigungen betrachtet, stößt auf eine bemerkenswerte Vorliebe für Regime, die mit Demokratie und Menschenrechten eher sparsam umgingen. Als Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied der Österreichisch-Nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft pflegte er Kontakte zu einem der brutalsten totalitären Systeme der Welt, wo Hunger und Unterdrückung zum Alltag gehören. Nicht weniger augenfällig waren seine häufigen Reisen nach Kuba, wo er nächtelang amikal mit Fidel Castro diskutierte und feierte – jenem Massenmörder, dessen Regime Oppositionelle in Gefängnisse sperrte und eine ganze Nation in ideologischer Starre hielt. In einer Zeit, in der andere die Grausamkeiten dieser Diktaturen klar benannten, fand Fischer offenbar genügend Gemeinsamkeiten, um gesellige Stunden zu verbringen. Die Satire schreibt sich hier fast von selbst: Der angebliche Demokrat, der in Wien die Fahne der sozialen Gerechtigkeit schwenkte, fühlte sich in Havanna und Pjöngjang sichtlich wohl. Es ist der klassische Fall des Salon-Revolutionärs, der die Schrecken des Realsozialismus aus sicherer Entfernung romantisiert, während er selbst in der behaglichen österreichischen Beamtenwelt residierte. Solche Freundschaften werfen ein grelles Licht auf das Urteilsvermögen eines Mannes, der später als Bundespräsident die Republik repräsentieren sollte.

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Der zögerliche Apparatschik und seine strategischen Toilettenpausen

Innerhalb der SPÖ galt Heinz Fischer als Meister des taktischen Rückzugs. Wenn kontroverse Beschlüsse anstanden, war er gerne „am Klo“, wie böse Zungen zu berichten wussten – eine Metapher für jene feige Zurückhaltung, die sein politisches Wirken durchzog. Statt klare Positionen zu beziehen, lavierte er sich durch die Parteigewässer, immer auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der die eigene Karriere nicht gefährdete. Diese Haltung kulminierte in seiner Rolle als Parteisoldat, der selten voranging, dafür umso zuverlässiger die Linie der jeweiligen Führung mittrug. Die polemische Spitze liegt in der Erkenntnis, dass genau dieser zögerliche Charakter nun als Inbegriff von Staatsklugheit vermarktet wird. In einer Demokratie, die mutige Entscheidungen braucht, feierte man den Mann, der sich vor ihnen drückte. Es ist zynisch humorvoll, wie die österreichische Politik Persönlichkeiten belohnt, deren größtes Talent darin besteht, Konflikten aus dem Weg zu gehen und dennoch obenauf zu bleiben – ein Karrieremodell, das mehr über das System aussagt als über den Einzelnen.

Der Bonzen-Sohn, die populistische Maske und die vertane Chance

Geboren in besten SPÖ-Verhältnissen als Sohn eines Staatssekretärs und verheiratet mit der Tochter eines Wiener Städtische-Chefs, verkörperte Fischer von Beginn an jenen Typus des privilegierten Parteibonzentums, das die eigene Herkunft geschickt hinter volksnaher Rhetorik verbarg. Bei der Bundespräsidentschaftswahl 2004 trat er gegen Benita Ferrero-Waldner an, eine diplomatieerprobte, sprachgewandte und international versierte Kandidatin. Statt mit Substanz zu antworten, wählte er die peinlich populistische Karte: Er spreche die Sprache des Volkes. Jahrzehnte später lehnt er den Begriff „Volkskanzler“ natürlich entschieden ab – eine typische Volte des Mannes, der sich je nach Opportunität mal als Mann des Volkes, mal als intellektueller Staatsmann inszenierte. Durch seinen Wahlsieg verhinderte er, dass Österreich eine fähigere Bundespräsidentin bekam, deren Kompetenz weit über seine eigene hinausreichte. Die Ironie ist beißend: Der Bonzen-Sohn, der die Sprache des Volkes für sich beanspruchte, stand einer Frau gegenüber, die tatsächlich Welterfahrung mitbrachte, und obsiegte mit flachen Parolen. Es war ein Sieg des Apparats über die Qualifikation, ein weiteres Kapitel in der österreichischen Tradition, in der Netzwerke stärker wiegen als Verdienst.

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Der Wiesenthal-Ausschuss und die Schatten der Geschichte

Besonders düster wirkt Fischers Rolle als SPÖ-Klubchef, als er einen Untersuchungsausschuss gegen Simon Wiesenthal forderte – einen Ausschuss, der in antisemitisch konnotierten Kreisen willkommen war, weil der berühmte Nazi-Jäger dem Kreisky-Regime politisch unangenehm geworden war. In einer Republik, die mit ihrer NS-Vergangenheit ringt, stellte sich ein führender Sozialdemokrat auf die Seite jener, die den Jäger der Täter attackierten. Solche Fehltritte reihen sich ein in ein Gesamtbild schlechten Urteilsvermögens: Nordkorea, Kuba, parteiinterne Feigheit, populistische Rhetorik und fragwürdige Allianzen. Dennoch zieht der ORF ihn regelmäßig hervor, um „ausgewogene“ Kommentare zur aktuellen Politik abzugeben. Die zynische Pointe besteht darin, dass dieser Mann, der oft genug auf der falschen Seite stand, nun als neutraler Beobachter präsentiert wird. Es ist, als wollte die Medienelite die eigene Vergangenheit reinwaschen, indem sie einen ihrer treuesten Diener zum Orakel erhebt. In Wahrheit enthüllt diese Praxis die Kontinuität eines Establishments, das Kritik an seinen Ikonen als Tabubruch behandelt und lieber alte Narrative pflegt, statt sich der eigenen Fehler zu stellen.

Das perpetuierte Erbe des vorsichtigen Scheiterns

Letztlich steht Heinz Fischer für ein Österreich, das sich gerne in der Mitte wähnt, dabei aber oft genug die falschen Kompromisse eingeht und talentiertere Alternativen verhindert. Seine Karriere ist ein satirisches Denkmal für den Erfolg des Mittelmäßigen: Gut vernetzt, rhetorisch flexibel und ideologisch anpassungsfähig genug, um Jahrzehnte zu überdauern. Wenn der ORF ihn heute als Stimme der Vernunft präsentiert, betreibt er nicht Journalismus, sondern Nostalgiepflege für eine untergehende politische Klasse. Die augenzwinkernde Wahrheit dahinter ist ernüchternd – und zugleich komisch in ihrer Dreistigkeit: Ein Leben voller Fehlurteile wird zur Blaupause für Staatsklugheit erklärt. In einer Zeit, die echte Erneuerung braucht, hält man an Figuren fest, die genau diese verhindert haben. So dreht sich das Karussell der österreichischen Politik weiter, mit Heinz Fischer als einem seiner beständigsten, wenn auch wenig ruhmreichen Passagiere.