Ein Bier weniger für die Ukraine – und der Krieg ist finanziert!

Brüssel hat offenbar den Stein der Weisen gefunden: Die Europäer müssen bloß ein Bier weniger trinken, und schon ist der Krieg finanziert! Wirtschaftspolitik auf dem Niveau einer Stammtischrechnung – nur dass am Stammtisch wenigstens irgendjemand irgendwann die Rechnung bezahlt.

Rechnen wir großzügig: 450 Millionen EU-Bürger mal 6,50 Euro ergeben knapp 2,9 Milliarden Euro. Dumm nur, dass Kiew für 2027 angeblich rund 70 Milliarden Euro benötigt, davon 40 Milliarden für Waffen. Da müsste jeder EU-Bürger monatlich etwa 15 Euro abliefern – vom Neugeborenen bis zum Pensionisten. Aber warum sollte man sich von Mathematik die Stimmung verderben lassen, wenn man stattdessen mit Bierverzicht Weltpolitik betreiben kann?

Besonders genial ist die Idee angesichts der explodierenden Energiekosten, unter denen heimische Betriebe und Brauereien ohnehin leiden. Man schwächt also die eigene Wirtschaft, gefährdet Arbeitsplätze und erklärt anschließend den Konsumverzicht zur patriotischen Bürgerpflicht. Das ist ungefähr so, als würde man das eigene Haus anzünden, um mit dem Verkauf der Feuerwehrschläuche die Renovierung des Nachbarhauses zu finanzieren.

Vielleicht sollte Brüssel sein neues Wirtschaftsmodell konsequent weiterentwickeln: ein Bier weniger, ein Steak weniger, ein Urlaub weniger, eine Heizung weniger. Und wer am Monatsende noch Geld am Konto hat, wird wegen mangelnder Solidarität zur Nachschulung in europäischer Moralökonomie verpflichtet. Für besonders engagierte Bürger könnte man gleich einen automatischen Solidaritätsbeitrag auf jeden Einkauf einführen. Natürlich freiwillig – so freiwillig eben, wie gute Ideen aus Brüssel gelegentlich verstanden werden.

Das eigentlich Erstaunliche ist nicht einmal der Biervergleich, sondern die intellektuelle Beleidigung, die darin steckt. Als wären Europas Bürger zu dumm, um zwischen einer symbolischen Spendenaktion und der Finanzierung eines milliardenschweren Krieges zu unterscheiden. Ein Bier weniger löst weder die Finanzierungsprobleme der Ukraine noch die strukturellen Probleme der europäischen Wirtschaft. Es produziert höchstens eine hübsche Schlagzeile und das beruhigende Gefühl, geopolitische Verantwortung übernommen zu haben, ohne sich mit unangenehmen Fragen beschäftigen zu müssen: Woher kommt das Geld tatsächlich? Wie lange soll das weitergehen? Welche Prioritäten werden gesetzt? Und wer erklärt den europäischen Steuerzahlern, was das alles am Ende kostet?

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Aber vermutlich ist das bereits zu viel verlangt. Differenzierte Finanzpolitik ist kompliziert, ein Bier ist anschaulich. Also ersetzt man die Haushaltsdebatte durch eine moralische Trinkempfehlung und verkauft den Verzicht des Einzelnen als strategischen Durchbruch.

Na dann: Prost auf die europäische Vernunft! Sie hat zwar offenbar den Überblick über die Milliarden verloren, dafür aber eine neue Einnahmequelle entdeckt: den Bierdeckel. Und wenn die Rechnung trotzdem nicht aufgeht, war am Ende vermutlich nur der Bürger nicht solidarisch genug.

Die bittere Pointe: Wenn ein Bier weniger den Krieg finanzieren könnte, hätte Brüssel längst Frieden gebraut. Offenbar reicht es nicht einmal für den Schaum.