Liebe Österreicherinnen und Österreicher,
wenn ein neues Jahr beginnt, dann denken viele von uns nicht zuerst an große Worte. Wir denken an den Alltag: an die Arbeit, an die Familie, an das, was funktioniert – und an das, was uns Sorgen macht.
Viele Menschen in Österreich spüren, dass das Leben anspruchsvoller geworden ist. Wohnen ist teuer. Energie kostet Geld. Fachkräfte fehlen. Und manchmal entsteht der Eindruck, alles komme gleichzeitig.
2026 wird kein leichtes Jahr.
Aber es ist ein Jahr, in dem wir noch einmal alles geben müssen – mit Hausverstand, mit Zusammenhalt und mit Ehrlichkeit.
Ein Thema bewegt unser Land besonders: Migration.
Ja, sie fordert uns. Integration gelingt nicht von selbst. Sie braucht Regeln, klare Erwartungen und gemeinsame Anstrengungen. Das sage ich ganz offen.
Aber ebenso offen sage ich: Migration hilft uns auch.
In der Pflege, in den Spitälern, in der Gastronomie, auf Baustellen, in der Landwirtschaft, in unseren Schulen. Viele Menschen, die zu uns gekommen sind, arbeiten, zahlen Steuern, gründen Betriebe und halten unser Land mit am Laufen.
Wer so tut, als könnten wir auf diese Menschen verzichten, sagt nicht die Wahrheit.
Und wer Menschen gegeneinander ausspielt, dem sage ich klar:
So sind wir nicht.
Österreich war immer dann stark, wenn wir Ordnung mit Menschlichkeit verbunden haben. Wenn wir gefordert, aber auch gefördert haben. Wenn wir Chancen ermöglicht haben – und Verantwortung eingefordert haben.
Ein weiteres Thema betrifft unseren Alltag ganz unmittelbar: die Energiefrage.
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie abhängig wir von teurer, importierter Energie sind. Und wie verwundbar das macht – für Haushalte, für Betriebe, für den Staat.
Darum ist die Energiewende nicht Ideologie, sondern Notwendigkeit.
Photovoltaik auf Dächern. Windkraft dort, wo sie sinnvoll ist. Sanierte Häuser, die weniger Energie brauchen. Das schützt das Klima – und senkt langfristig Kosten. Für Gemeinden, für Familien, für Unternehmen.
Klimaschutz heißt nicht Verzicht um jeden Preis.
Klimaschutz heißt Vorsorge. Für unsere Kinder. Für unsere Landwirtschaft. Für unsere Sicherheit.
Der Krieg in der Ukraine erinnert uns täglich daran, wie wertvoll Frieden ist. Österreich hilft – humanitär, solidarisch, verantwortungsvoll. Unser Beistand gilt. Nicht aus Leichtsinn, sondern aus Überzeugung.
Was mir Zuversicht gibt, sind nicht perfekte Lösungen.
Es sind die Menschen in diesem Land:
die Pflegekraft im Nachtdienst,
der Lehrling im ersten Jahr,
die Unternehmerin, die ausbildet,
die Ehrenamtlichen, die helfen, wenn andere längst schlafen.
Das ist Österreich.
Lassen wir uns nicht verunsichern. Bleiben wir sachlich. Bleiben wir menschlich. Und erinnern wir uns daran, was uns trägt – gerade dann, wenn es schwierig wird.
So sind wir nicht.
So sind wir – verantwortungsvoll, solidarisch und gemeinsam.
Als Bundespräsident wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gutes, gesundes und zuversichtliches neues Jahr.