Drei Männer, ein Spiegel

Man könnte sie für Brüder halten, wenn man den Spiegel nicht zu genau poliert: Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping, drei Herren im reifen Alter, geschniegelt oder geschniegelt wirkend, geschniegelt jedenfalls im Selbstbild, und alle drei überzeugt davon, dass Geschichte vor allem eines ist – eine Bühne mit sehr begrenzter Besetzung, auf der sie selbst die Hauptrolle spielen. Der Rest der Welt? Statisten, Requisiten, manchmal störende Geräusche aus dem Off. Es ist jene Art von Brüderschaft, die nicht auf Liebe gründet, sondern auf Wiedererkennung: Ich erkenne mich im anderen, weil auch er tut, was er kann, und nicht, was er sollte. Eine Geistesverwandtschaft, die weniger von Ideologie als von Instinkt lebt – vom Instinkt des Raubtiers, das nicht fragt, ob es darf, sondern nur, ob es kann, und ob jemand stark genug ist, ihm in den Arm zu fallen.

Donald und die Geografie des Begehrens

Donald Trump, dieser Immobilienentwickler der Weltpolitik, denkt in Grundstücken, in Lagen, in Quadratmetern und Aussichtslinien. Venezuela? Klingt nach Öl, nach Rohstoffen, nach einem Grundstück mit schlechtem Management, das man übernehmen müsste, um es „endlich richtig zu führen“. Grönland? Ein riesiges, weißes Leerfeld auf der mentalen Landkarte eines Mannes, der Leere nicht erträgt, weil sie nicht ihm gehört. Dass dort Menschen leben, Geschichte gewachsen ist, internationale Verträge existieren – all das sind für Donald nur Fußnoten, Kleingedrucktes, das man im Zweifel überliest. Die Welt ist für ihn ein Monopoly-Brett, und wenn er genug Geld und Lautstärke auf den Tisch knallt, muss der Banker irgendwann einknicken. Satirisch betrachtet ist Trump weniger Eroberer als Schnäppchenjäger, der glaubt, Staaten ließen sich wie marode Hotels übernehmen: ein bisschen Personal entlassen, den Namen größer an die Fassade schreiben, fertig ist die neue Weltordnung.

Wladimir und der Panzer der Geschichte

Wladimir Putin hingegen ist kein Immobilienhai, sondern ein Archivar mit Raketen. Er blättert in der Geschichte wie in einem alten Familienalbum, zeigt auf vergilbte Fotos und sagt: „Das war einmal meins, also gehört es mir eigentlich immer noch.“ Die Ukraine ist in dieser Logik kein souveräner Staat, sondern ein fehlendes Puzzleteil, ein verlorener Arm des russischen Körpers, den man notfalls mit Gewalt wieder annähen muss. Dass dabei Menschen sterben, Städte brennen und Zukunft zermahlen wird, ist für Putin kein Skandal, sondern Kollateralschaden einer historischen Korrektur. Zynisch gesprochen ist er der einzige der drei, der noch an Geschichte glaubt – allerdings an eine, die ausschließlich ihm recht gibt. Seine Panzer rollen nicht nur über Felder, sondern über Begriffe wie Völkerrecht, Selbstbestimmung und moralische Verantwortung, die unter ihren Ketten erstaunlich schnell zerbröseln.

TIP:  Die neue transatlantische Doktrin

Xi und der lange Atem der Geduld

Xi Jinping schließlich wirkt im Vergleich fast asketisch, beinahe buddhistisch, wäre da nicht der eiserne Griff um Partei und Staat. Er schielt nicht gierig, er wartet. Taiwan ist für ihn kein spontanes Begehren, sondern eine jahrzehntelang gereifte Vorstellung, ein Versprechen, das sich selbst erfüllt, wenn man nur lange genug daran glaubt. Xi muss nicht twittern, er muss nicht marschieren – noch nicht. Er baut, rechnet, plant, und sein Lächeln ist das eines Mannes, der weiß, dass Zeit eine Waffe ist. Satirisch betrachtet ist Xi der Schachspieler unter den drei Brüdern, der dem Gegner zulächelt, während er bereits fünf Züge voraus ist. Dass dabei Freiheit, Meinungsvielfalt und individuelle Rechte unter die Räder kommen, ist für ihn kein Drama, sondern ein notwendiger Preis für Harmonie, wie er sie versteht: still, kontrolliert und widerspruchslos.

Weil sie es können

Warum also Venezuela, Grönland, Ukraine, Taiwan? Die einfache, brutale Antwort lautet: weil sie es können. Oder zumindest, weil sie glauben, es zu können. Macht ist für diese drei keine Verantwortung, sondern eine Gelegenheit, ein Muskel, den man zeigen muss, damit er nicht verkümmert. In einer Welt, die lange an Regeln geglaubt hat, treten sie auf wie schlecht erzogene Kinder auf einem Spielplatz ohne Aufsicht: Sie nehmen sich die Schaufel, stoßen die anderen um und erklären anschließend, das sei nun einmal Natur. Polemisch zugespitzt könnte man sagen: Trump, Putin und Xi sind weniger Politiker als Naturereignisse – Stürme, Erdbeben, Tsunamis –, die allerdings sehr wohl wissen, was sie anrichten, und sich trotzdem darüber freuen, weil Zerstörung Aufmerksamkeit bringt.

Wo ist da noch ein Unterschied

Und der Unterschied? Er liegt weniger im Tun als im Tonfall. Trump grölt, Putin schweigt bedrohlich, Xi lächelt milde. Der eine twittert, der andere marschiert, der dritte wartet. Doch am Ende eint sie der gleiche Glaube: dass Stärke Recht ersetzt, dass Macht sich selbst legitimiert und dass Moral ein Luxus für Schwächere ist. Der zynische Witz der Geschichte besteht darin, dass sie sich gegenseitig als abschreckende Beispiele brauchen, um das eigene Handeln zu rechtfertigen: Wenn der eine es tut, warum sollte ich es nicht auch tun dürfen? So werden drei Männer zu Brüdern im Geiste, verbunden durch eine Weltsicht, die Grenzen nicht als Linien des Respekts begreift, sondern als Einladung zum Überschreiten. Man lacht darüber, augenzwinkernd vielleicht, weil Satire manchmal die letzte Waffe der Ohnmacht ist. Doch das Lachen bleibt einem im Hals stecken, denn hinter der Farce steht eine ernste, bittere Erkenntnis: Der Unterschied schwindet dort, wo Macht sich selbst genügt – und genau darin liegt ihre größte Gefahr.

Please follow and like us:
Pin Share