Die semantische Sanierungskolonne

oder: Wenn Wörter zur ideologischen Immobilie werden

Es ist eine merkwürdige Eigenart unserer Zeit, dass man zwar jederzeit über alles reden darf – vorausgesetzt, man verwendet dabei das von der zuständigen Deutungsbehörde genehmigte Vokabular, spricht in der genehmigten Tonlage, atmet im genehmigten Rhythmus und lächelt dabei in einem Winkel, der weder Überlegenheit noch Zweifel signalisiert. Sprache ist heute nicht mehr nur ein Werkzeug zur Verständigung, sie ist eine Art biometrischer Ausweis: Wer die richtigen Worte wählt, darf weiter in der Fußgängerzone des Diskurses schlendern; wer sich verspricht oder gar ein veraltetes Wortmodell aus der Garage zieht, wird freundlich, aber bestimmt in die pädagogische Quarantäne geleitet. Und als wäre das nicht schon grotesk genug, hat sich ausgerechnet die politische Linke, die historisch einmal angetreten war, Macht zu kritisieren, zur Meisterin einer neuen Machttechnik aufgeschwungen: der Deutungshoheit. Man könnte es auch nennen: das Monopol auf moralische Übersetzungsarbeit. Worte werden nicht mehr beschrieben, sondern besetzt. Begriffe sind nicht mehr offen, sondern umzäunt. Und wer sich dem nicht fügt, lernt die sanfte Gewalt einer Gesellschaft kennen, die sich für besonders tolerant hält, solange alle das Gleiche sagen – nur in immer neuen Variationen.

Die Deutungshoheit der Linken über bestimmte Begriffe ist eine Pest, ja, und zwar eine, die nicht spektakulär daherkommt wie die klassische Zensur mit Stempel und Schere, sondern wie ein Hygienekonzept: „Wir entfernen nur die gefährlichen Keime.“ Man merkt gar nicht, wie man sich langsam an den Geruch von Desinfektionsmittel gewöhnt. Es beginnt harmlos. Erst heißt es: „Das Wort ist problematisch.“ Dann: „Das Wort ist belastet.“ Dann: „Das Wort verletzt.“ Und am Ende: „Das Wort ist Gewalt.“ Womit die Diskursphysik vollendet ist: Ein Geräusch – Luft, die durch Stimmbänder vibriert – wird zur Körperverletzung hochgerechnet. Das ist faszinierend, wie ausgerechnet jene, die so gern materialistisch argumentieren, plötzlich eine Magie der Sprache beschwören, als sei jedes Substantiv ein Fluch und jeder Nebensatz ein Dolch. Man wird Zeuge eines paradoxen Wunders: Die Linke, die den Menschen einst von der Herrschaft befreien wollte, befreit nun die Wörter von den Menschen.

Demokratie oder: Das Wort, das alle lieben, solange es ihnen gehört

„Demokratie“ ist so ein Begriff. Ein Zauberwort, ein Abzeichen, ein sakraler Gegenstand, den man in Talkshows vor sich herträgt wie eine Monstranz. Man sagt „Demokratie“ und es klingt sofort nach weiß gestrichenen Klassenzimmern, nach aufgeklärten Bürgern, nach dem Duft frisch gedruckter Grundrechte. Niemand ist gegen Demokratie – das ist ja das Schöne. Das macht den Begriff so perfekt: Er ist ein moralisches Totschlagargument mit eingebautem Heiligenschein. Und genau deshalb wird er auch so gern zur Waffe umgeschmiedet. Denn sobald ein Wort als unantastbar gilt, wird es zur idealen Beute. Wer es besitzt, kann aus jedem Streit eine Ketzerverhandlung machen.

Doch was ist Demokratie eigentlich? Im schlichten Kern ist sie die Möglichkeit, Macht zu kontrollieren und zu wechseln – durch Verfahren, Regeln, Wahlen, Institutionen, Gewaltenteilung und eine Öffentlichkeit, die überhaupt noch stattfinden darf. Demokratie ist, wenn Regierungen abgewählt werden können. Demokratie ist, wenn Opposition nicht als Betriebsstörung gilt, sondern als notwendiger Bestandteil. Demokratie ist, wenn Bürger nicht nur alle vier Jahre als Stimmvieh gebraucht werden, sondern als legitime Quelle politischer Souveränität anerkannt bleiben, auch wenn sie den falschen Geschmack entwickeln. Demokratie ist ein System, das davon lebt, dass es Dissens aushält.

Und nun kommt die ideologische Immobilienverwaltung und erklärt, Demokratie sei vor allem eins: das Ergebnis. Genauer: das richtige Ergebnis. Demokratie wird nicht mehr als Verfahren begriffen, sondern als moralische Richtung. Wer in die richtige Richtung marschiert, ist demokratiefördernd; wer in die falsche Richtung abbiegt, ist demokratiegefährdend. Das ist ungefähr so, als würde man beim Fußball sagen: „Natürlich darf jeder mitspielen, aber wer nicht für unsere Mannschaft spielt, gefährdet den Sport.“ Demokratie als Wettkampf, bei dem das Ergebnis feststeht – das ist die große Innovation der modernen Deutungshoheit.

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Man erkennt das Muster sofort: Eine Wahl ist „ein starkes Zeichen der Demokratie“, wenn das Ergebnis passt. Wenn es nicht passt, ist es „besorgniserregend“, „ein Warnsignal“, „ein Ausdruck von Spaltung“, möglicherweise „ein Sieg der Demagogen“. Plötzlich wird die Demokratie selbst zur Patientin erklärt: „Unsere Demokratie“ sei krank, heißt es dann, und man müsse sie schützen. Und wer schützt sie? Natürlich jene, die zufällig gerade definieren dürfen, was sie ist. „Unsere Demokratie“ klingt dabei wie „unsere Wohnung“: Man darf gerne zu Besuch kommen, aber bitte nicht die Möbel verrücken und um Gottes willen nicht die Eigentumsfrage stellen.

Dass Demokratie auch die Freiheit beinhaltet, sich irren zu dürfen – kollektiv, öffentlich, peinlich –, wird in dieser neuen Semantik als Zumutung empfunden. Die Linke, die sich einst gegen das paternalistische Regieren stellte, hat sich in Teilen zum Vormundschaftsverein gewandelt. Bürger gelten nicht mehr als mündig, sondern als gefährdet. Man muss sie schützen, vor Desinformation, vor falschen Medien, vor falschen Fragen, vor falschen Instinkten. Die Demokratie wird so zur pädagogischen Veranstaltung, in der das Volk zwar mitmachen darf, aber bitte nur unter Aufsicht. Und wenn das Volk sich danebenbenimmt, muss man eben nachjustieren: mehr „Sensibilisierung“, mehr „Regulierung“, mehr „Haltungsarbeit“. Das ist Demokratie als Dauer-Workshop. Man bekommt fast Sehnsucht nach der langweiligen alten Demokratie zurück, in der man sich einfach stritt, ohne vorher die moralische Temperatur zu messen.

Liberal oder: Ein Wort, das früher Freiheit meinte und heute verdächtig riecht

„Liberal“ ist der nächste Begriff in diesem Kabinett der enteigneten Bedeutungen. Einst war liberal ein Versprechen: weniger Staat im Leben des Einzelnen, mehr Freiheit, mehr Eigenverantwortung, mehr Skepsis gegenüber Autoritäten. Liberal hieß: Ich traue dem Bürger mehr zu als der Regierung. Liberal hieß: Ich halte Vielfalt aus, weil ich nicht jeden Menschen in ein korrektes Weltbild pressen muss. Liberal war das geistige Immunsystem gegen Übergriffigkeit – egal, ob sie von rechts, links, oben oder unten kam.

Heute jedoch ist „liberal“ in manchen linken Milieus ein Schimpfwort mit Anzug. Es riecht nach „Neoliberalismus“, nach „Marktradikalität“, nach „Profitlogik“, nach „Entsolidarisierung“. Als hätte man das Wort in eine ideologische Altkleidersammlung geworfen, zwischen Thatcher-Jacken und FDP-Schals aus den Neunzigern, und dann mit moralischem Mottenpulver bestäubt. Man kann kaum noch sagen: „Ich bin liberal“, ohne dass jemand im Hintergrund bereits den Scanner anwirft: Aha, du willst also nur keine Regeln, weil du heimlich reich bist oder wenigstens so tun möchtest. Liberalität gilt nicht mehr als humanistisches Prinzip, sondern als Tarnkappe für Egoismus.

Dabei ist das nicht nur unfair, sondern auch intellektuell unerquicklich, weil es das Kind mit dem Bad ausschüttet – und dann das Bad zum Symbol der Reinheit erklärt. Der Liberalismus ist nicht per se die Ideologie des entfesselten Marktes. Er ist in seinem Kern eine Haltung: die Begrenzung von Macht, die Skepsis gegenüber Zwang, die Freiheit des Gewissens, die Freiheit des Wortes, die Freiheit der Lebensführung. Ein liberaler Staat muss nicht sozial kalt sein. Er kann und sollte soziale Sicherheit garantieren. Aber er darf dabei nicht zum Gesinnungsstaat werden. Er darf nicht anfangen, seine Bürger zu „formen“, als seien sie Ton.

Die linke Deutungshoheit aber macht aus liberal gern einen Verdachtsbegriff. Freiheit wird umetikettiert: Nicht mehr Freiheit „von“ Eingriffen, sondern Freiheit „zu“ bestimmten erwünschten Ergebnissen. Freiheit ist dann nicht mehr, dass du sagen darfst, was du willst, sondern dass du das Richtige sagen willst. Der liberal-demokratische Gedanke wird in eine Art moralische Selbstverwaltung übersetzt: Freiheit als Pflicht zur Haltung. Man soll frei sein, aber bitte nicht zu frei, das könnte jemanden verunsichern.

In dieser Umdeutung steckt ein tiefer Reflex: Freiheit ist unberechenbar. Freiheit produziert Menschen, die Dinge tun, die man nicht vorgesehen hat. Freiheit produziert Irrtum, Geschmacklosigkeit, ja sogar – Gott bewahre – Widerspruch. Wer aber eine Gesellschaft als Projekt betrachtet, als Plan, als Umerziehung zum Guten, der kann Freiheit nur als Störgeräusch wahrnehmen. Dann wird der Liberalismus nicht als Grundlage der offenen Gesellschaft gefeiert, sondern als ihr Leck. Und nichts hassen Deutungsverwaltungen mehr als offene Stellen im System, durch die echte Debattenluft hereinwehen könnte.

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Hass und Hetze oder: Wenn Moral zur Polizeimarke wird

Und dann dieses Wunderwort unserer Epoche: „Hass und Hetze“. Es ist ein Begriffspaar, das klingt wie ein Staubsaugerbeutel für alles Unerwünschte. Man wirft hinein: Ärger, Spott, Schärfe, Kritik, Polemik, Ungeduld, Überdruss, schlechte Manieren, falsche Fragen, falsche Sorgen, falsche Statistiken, falsche Prioritäten. Und irgendwann ist der Beutel so voll, dass niemand mehr weiß, was eigentlich drin ist – aber man ist sich einig: Es muss weg.

Natürlich gibt es Hass. Natürlich gibt es Hetze. Natürlich gibt es auch reale, bösartige, menschenverachtende, gefährliche Sprache. Die Frage ist nicht, ob es diese Phänomene gibt, sondern: Wer definiert sie? Nach welchen Kriterien? Und warum ist die Definition so elastisch, dass sie sich wie Kaugummi über jede unpassende Meinung ziehen lässt?

„Hass und Hetze“ funktioniert rhetorisch wie ein Notaus-Schalter für das Denken. Denn wer möchte schon der Mensch sein, der sagt: „Moment, ich glaube, das ist keine Hetze, das ist Kritik“? Schon diese Unterscheidung wirkt im Klima der moralischen Erregung wie ein Verdachtsmoment. Man verteidigt plötzlich nicht nur ein Argument, sondern seine eigene Menschlichkeit. Und genau das ist die perfide Eleganz dieser Begriffsbesetzung: Sie zwingt den Gegner in eine Rolle, bevor er überhaupt spricht. Wer kritisiert, muss zuerst beweisen, dass er kein schlechter Mensch ist. Die Debatte beginnt nicht bei der Sache, sondern beim Charakter.

So wird „Hass und Hetze“ zur politischen Universalwaffe. Sie ist eine Art semantischer Schlagstock: Man kann ihn schwingen, ohne den Anlass genau zu benennen. Ein Schlagstock braucht keinen Diskurs, nur Schwung. Und wie praktisch: Wer den Begriff kontrolliert, kontrolliert die Grenze zwischen „Sagbar“ und „Unsagbar“. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist Macht. Nicht die alte, grobe Macht des Verbots, sondern die elegante Macht des sozialen Ausschlusses. Man muss niemanden ins Gefängnis stecken – es reicht, ihn in die Ecke des Unanständigen zu stellen, dort, wo die Luft dünn wird und das Publikum sich abwendet.

Das Problem ist dabei nicht, dass Menschen für tatsächlich menschenverachtende Aussagen kritisiert werden. Das Problem ist die systematische Verwechslung von Härte mit Hass, von Konflikt mit Gewalt, von Unhöflichkeit mit Unmenschlichkeit. Ein demokratischer Diskurs ist kein Stuhlkreis. Er ist auch kein therapeutisches Gruppenangebot. Er ist ein Kampfplatz – idealerweise ein zivilisierter, aber eben doch ein Ort, an dem es knirscht. Wer alles, was knirscht, „Hass“ nennt, will nicht Frieden, sondern Kontrolle. Man muss es so deutlich sagen: Wer „Hass und Hetze“ inflationär verwendet, hetzt gegen das Streiten selbst.

Und hier liegt der Kern der linken Deutungshoheit: Sie tarnt sich als Schutz. Man sagt, man wolle Minderheiten schützen, Betroffene schützen, die Gesellschaft schützen, den Diskurs schützen. Aber was man wirklich schützt, ist die eigene moralische Autorität. „Hass und Hetze“ ist der Passierschein zur Diskursmacht. Wer ihn ausstellt, sitzt am Schalter. Wer am Schalter sitzt, entscheidet, wer hinein darf – und wer draußen bleibt.

Der semantische Klassenkampf oder: Wer die Wörter hat, hat die Welt

Es ist eine alte Einsicht, dass Sprache Wirklichkeit strukturiert. Aber daraus folgt nicht, dass eine politische Strömung das Recht hätte, diese Struktur wie ein Monopolist zu verwalten. Genau das geschieht jedoch, wenn Begriffe wie „Demokratie“, „liberal“ oder „Hass und Hetze“ nicht mehr als offene Kategorien verstanden werden, sondern als moralische Markenprodukte. Dann wird der Diskurs zur Franchise. Man darf mitreden, aber nur im Corporate Design.

Die linke Deutungshoheit funktioniert dabei wie eine Mischung aus Priesterkaste und PR-Agentur. Sie liefert die Sündenregister, die richtigen Formeln, die Rituale der Absolution. Wer sich korrekt ausdrückt, ist „sensibel“. Wer widerspricht, ist „problematisch“. Wer insistiert, ist „toxisch“. Wer lacht, ist „zynisch“. Wer zynisch ist, ist gefährlich. Und wer gefährlich ist, den muss man… nun ja… „demokratisch“ bekämpfen.

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Ironischerweise ist das ein zutiefst illiberales Verfahren. Es ist moralischer Autoritarismus in freundlicher Verpackung. Es ist die Herrschaft der Guten, die sich nicht mehr rechtfertigen muss, weil sie ja gut ist. Wer das kritisiert, bekommt die nächste semantische Keule übergezogen: Er „relativiert“, „delegitimiert“, „spaltet“, „normalisiert“. Schon diese Begriffe wirken wie Stempel auf der Stirn. Und man merkt: Es geht gar nicht mehr darum, ob etwas wahr ist, sondern ob es nützt – dem „Guten“.

Das ist der Moment, in dem politische Sprache zur Religion wird. Und wie jede Religion hat sie ihre Ketzer. Ketzer sind nicht einfach Menschen, die anders denken; Ketzer sind Menschen, die die falschen Wörter benutzen. Ein Ketzer sagt nicht „marginalisierte Gruppe“, sondern „Menschen“. Ein Ketzer sagt nicht „solidarisch“, sondern „vernünftig“. Ein Ketzer sagt nicht „Sensibilisierung“, sondern „Bevormundung“. Und schon ist er draußen.

Warum diese Deutungshoheit unbedingt in Frage gestellt werden muss

Weil sie geistig faul macht. Wer Begriffe monopolisiert, muss nicht mehr argumentieren. Er muss nur noch etikettieren. Und Etiketten ersetzen Denken so zuverlässig wie Fertiggerichte Kochen ersetzen: Es wird warm, es riecht nach etwas, aber nahrhaft ist es selten.

Weil sie Demokratie aushöhlt. Denn Demokratie lebt davon, dass man über ihre Bedingungen streiten darf. Wer „Demokratie“ zum Eigentum erklärt, macht aus ihr ein Herrschaftsinstrument. Und Herrschaft ist das Gegenteil dessen, was Demokratie sein sollte: eine kontrollierbare Macht.

Weil sie Liberalität zerstört. Denn Liberalität ist die Kunst, Menschen und Meinungen auszuhalten, auch wenn man sie unerquicklich findet. Wer „liberal“ zum Schimpfwort macht, macht die offene Gesellschaft zum Problem – und die Kontrolle zur Lösung.

Weil sie „Hass und Hetze“ entwertet. Je mehr man mit diesem Begriff herumwirft, desto weniger erkennt man echten Hass. Wenn alles Hass ist, ist nichts Hass. Das ist nicht nur unfair, es ist gefährlich. Denn echte Menschenverachtung braucht klare Begriffe, um erkannt und bekämpft zu werden. Wer aber jeden Widerspruch als Hetze labelt, produziert am Ende genau das, was er vorgibt zu verhindern: Radikalisierung aus Trotz, Eskalation aus Frust, Wut aus Ohnmacht.

Und weil diese Deutungshoheit – man muss es so hart sagen – eine intellektuelle Frechheit ist. Sie ist die Anmaßung, dass eine bestimmte politische Richtung nicht nur bessere Vorschläge hat, sondern auch bessere Wörter, bessere Moral, bessere Menschen. Das ist die heimliche Hierarchie im Gewand der Gleichheit.

Schluss oder: Gebt die Wörter frei

Wörter gehören niemandem. Sie sind keine Immobilien. Sie sind öffentliche Plätze. Demokratie ist nicht „unsere Demokratie“, sondern eine Ordnung, die gerade dann ihre Stärke zeigt, wenn sie den Falschen die Möglichkeit gibt, mitzureden. Liberal ist nicht der Feind des Guten, sondern die Bremse gegen den Totalitätsdrang jeder Ideologie – auch der sanft lächelnden. „Hass und Hetze“ ist nicht alles, was nervt, sondern das, was Menschen entwürdigt.

Die linke Deutungshoheit über Begriffe muss in Frage gestellt werden, weil sie nicht nur politisch, sondern geistig schädlich ist. Sie macht aus Debatten Moralprüfungen, aus Kritik Charakterdiagnosen, aus Sprache eine Zutrittskontrolle. Und wer Zutritt kontrolliert, kontrolliert am Ende die Wirklichkeit.

Darum: Lasst uns streiten. Lasst uns Begriffe zurückerobern. Lasst uns wieder fragen dürfen, ohne sofort als verdächtig zu gelten. Und vor allem: Lasst uns den Mut haben, nicht nur gegen „Hass und Hetze“ zu sein – sondern auch gegen diese klebrige, selbstgerechte Diskurshygiene, die jeden lebendigen Gedanken wie einen Schmutzfleck behandelt.

Denn wenn man nicht einmal mehr um Worte kämpfen darf, wird man bald um alles andere auch nicht mehr kämpfen können.

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