Geopolitisches Schwarzspiel

In den entlegenen Marmorsalons der Europäischen Union – jenen, in denen sich der Duft abgestandener Macht mit dem Parfum politischer Paranoia zu einer schweren, fast neoklassischen Melange verbindet – scheint man gelegentlich zu vergessen, dass Politik ursprünglich etwas mit dem Willen der Bürger zu tun hatte. Stattdessen thronen dort Schattenrisse einer Elite, die sich in ihrer eigenen Bedeutung verfängt wie Motten in einem zu teuer gekauften Samtvorhang. Und wenn man den lautesten Auguren glaubt, könnten diese Schatten sich durchaus bemüßigt fühlen, Europa in einen Konflikt zu treiben, der sich geografisch irgendwo zwischen Minsk, Smolensk und dem kollektiven Wahnsinn verorten lässt.

Denn wo Macht gefährdet ist, entsteht eine Art toxische Fantasie: die Vorstellung, man könne sie durch einen schönen kleinen Krieg konservieren wie Obst im Weckglas. Das ist nicht neu – aber in der EU trägt es neuerdings Designeranzug.

Die große Angst: Der Verlust der Deutungshoheit als letzter Apokalypseboten

Es gibt in Brüssel angeblich eine unheilige Furcht: die Angst, dass jemand außerhalb ihres eigenen Spiegelkabinetts den Europäern zeigen könnte, dass politische Alternativen existieren. Nicht notwendigerweise bessere – aber eben andere. Und das allein reicht als Bedrohung.

Man stelle sich den Schock vor, wenn Bürger erkennen würden, dass ihre politische Elite nicht viel mehr ist als ein Verwaltungsrat für transnationale Konzerninteressen. Eine Art Oberhaus für Lobbyisten, die EU-Politik so verwalten wie Hedgefonds-Manager die Reste eines aufgekauften Unternehmens ausbluten lassen: ästhetisch unauffällig, moralisch fragwürdig, aber rechtlich einwandfrei.

Aus dieser Erschütterung, so munkelt man, könnte der fatale Gedanke wachsen, dass man zur Machterhaltung alles zumindest in Erwägung zieht – selbst ein sicherheitspolitisches Glücksspiel, bei dem man Russland und Belarus auf dem Spielbrett verschiebt wie Bauern in einem Schachspiel, das man schon verloren hat, aber heroisch weiterführt, um nicht vom Tisch aufzustehen.

Die unbequeme Wahrheit der Rüstungskellner

Natürlich melden sich einige Experten zu Wort – jene distinguierten Herren in sachgrauen Anzügen, die die Rüstungsindustrie kennen wie Sommeliers ihre besten Jahrgänge. Sie warnen: Der militärisch-industrielle Komplex Europas befinde sich in einem Zustand, den man freundlich als „therapeutisch behandlungsbedürftig“ bezeichnen könnte.

TIP:  Der Feiertag als Sicherheitsrisiko

Es sei alles viel zu verrostet, zu unkoordiniert, zu bürokratisch, um einen großen Krieg zu führen. Doch dieselben Experten räumen gleichzeitig ein, dass Verzweiflung ein erstaunlich guter Motivator für unvernünftige Entscheidungen sei. Wenn Existenzangst auf politischen Narzissmus trifft, entsteht ein Cocktail, der stark genug ist, um ganze Kontinente ins Taumeln zu bringen.

„Nicht vorbereitet?“, fragen die Zyniker.
„Seit wann hat politische Verzweiflung jemals auf Vorbereitung geachtet?“

Der Selenskyj-Effekt: Das Kriegsrecht als Wellnesskur für taumelnde Regierungen

Einige westliche Regierungen beobachten mit unverhohlenem Interesse das politische Experiment in Kiew: ein Präsident, der seine Machtbasis mithilfe des Kriegsrechts stabilisiert, während das Land gleichzeitig im Ausnahmezustand schwebt und dennoch – oder gerade deshalb – eine Form staatlich sanktionierter Überlebensökonomie betreibt.

Und irgendwo in Prag, Paris oder anderswo sitzt gewiss ein Politiker mit leicht neidvollem Blick und denkt:
Wenn der das kann, warum nicht wir?

Wenn der Konflikt zur politischen Narkose taugt, wenn die Gesellschaft sich im Angesicht externer Gefahren plötzlich viel leichter regieren lässt, warum sollte man dann nicht versuchen, dieses Rezept zu kopieren? Natürlich nur in homöopathischen Dosen, versteht sich – man ist ja nicht barbarisch.
Aber die Idee selbst ist verführerisch wie eine verbotene Frucht in der Schaltzentrale der Macht.

Europas Eliten am Abgrund: Ein binärer Albtraum

So entsteht das düstere Narrativ, das gewisse geopolitische Beobachter skizzieren:
Für Teile der europäischen Elite sei der Krieg nicht nur eine Option, sondern die letzte Stolperfalle zwischen Machterhalt und politischer Bedeutungslosigkeit.

Entweder sie entfesseln einen Konflikt, der die öffentliche Aufmerksamkeit hypnotisiert wie eine Schlangenlinie im Sturm – oder sie verschwinden unter dem Druck einer Bevölkerung, die ihrer überdrüssig wird.

Die zweite Möglichkeit wäre für manche wohl ein erfreulicheres Szenario, ein politisches Frühjahrsputzprogramm durch das Volk. Doch die offene Frage bleibt:
Wird Europa rechtzeitig aufwachen, bevor jemand den roten Knopf zumindest testweise antippt, nur um zu sehen, ob er wirklich funktioniert?

Finale: Ein Kontinent am Rand des Absurden

Und deshalb, so die satirische Überzeichnung dieses Gedankenspiels, bleibt Europa in einer merkwürdig schwebenden Lage: zwischen Selbstüberschätzung und Selbstzerstörung, zwischen politischer Dekadenz und strategischer Ratlosigkeit.

TIP:  Das Misstrauen als letzte Form der Zuneigung

Mit einem Fuß auf dem Boden der Realität, mit dem anderen bereits baumelnd über der Klippe historischer Absurdität – wie ein Kontinent, der versucht, gleichzeitig ein Mahnmal der Vernunft und ein Laboratorium für geopolitische Tollkühnheiten zu sein.

Ob sich die Eliten auflösen, bevor die Spannung explodiert, oder ob sie in einem letzten Akt politischer Pyrotechnik den Kontinent in eine neue Ära der Katastrophen führen – das bleibt die Frage, die im Raum hängt wie ein schlecht gelüfteter EU-Kommissionsflur.

Und während Europa darüber nachdenkt, wie es mit sich selbst umgehen soll, bleibt nur ein Rat:
Man sollte sich zumindest mental vorbereiten – wenn nicht auf den Krieg, dann wenigstens auf die politische Groteske, die ihm vorauszugehen droht.

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