Manchmal fragt man sich, ob die politische Klasse – jener schwer definierbare Organismus, der sich irgendwo zwischen Parteizentrale, Pressesaal und dem übrig gebliebenen Rest an öffentlichem Vertrauen windet – inzwischen endgültig beschlossen hat, all ihre Energie auf jene Themen zu konzentrieren, die niemand verlangt, aber alle bekommen. So auch der Würstel-Test der Arbeiterkammer, ein Ereignis, das sich in die Annalen jener politischen Skurrilitäten einreihen darf, bei denen man nicht weiß, ob man lachen, weinen oder einfach nur sehr hungrig werden soll.
Während Europa zittert, die Preise explodieren, die Klimamodelle röcheln und der gesellschaftliche Diskurs irgendwo zwischen “Krise” und “Katastrophe” feststeckt, verbreitet die Arbeiterkammer die frohe Kunde: Wir wissen jetzt alles über 11 Bratwürste. Hygiene! Geschmack! Preis! Die großen Drei der demokratischen Grundversorgung!
Und man wagt kaum zu fragen: Ist das jetzt Satire – oder schon wieder Realität?
Die hohe Kunst der Prioritätensetzung
Warum man nichts löst, aber alles prüft
Natürlich könnte man einwenden, dass Konsumentenschutz wichtig ist. Dass Transparenz zählt. Dass es gut ist zu wissen, welche Bratwurst hygienischer ist als manche politische Entscheidung. Aber die Frage bleibt: Muss es wirklich ein Würstel-Test sein, in Zeiten wie diesen?
Inflation über 4%! Ein Wert, der sonst nur bei spirituellen Heilerinnen oder bei Fantasiebilanzen maroder Fußballvereine gut ankommt. Energiekosten jenseits von Sinn, Verstand und sämtlicher Haushaltsbudgets. Gewinne der Konzerne? Natürlich stabil. Stabil wie die Alpen. Stabil wie jene Unternehmenssprecher, die jedes Jahr neuen Rekordprofit mit dem gleichen Satz einleiten: “Wir befinden uns in herausfordernden Zeiten.”
Und während die Bürgerinnen darüber nachdenken, ob sie künftig mit Kerzenlicht kochen sollen, macht sich die Arbeiterkammer daran, die Bratwurst ihrer geheimen inneren Wahrheit zuzuführen.
Die Wurst als politisches Gesamtkunstwerk
Wenn das Brät zum Brennpunkt wird
Denn tatsächlich ist der Würstel-Test weit mehr als eine Analyse gegarter Tierprodukte: Er ist Symbolpolitik in ihrer reinsten Form. Er sagt uns: Wir können die großen Probleme nicht lösen – aber wir können sie hervorragend ablenken.
Was ist eine Bratwurst anderes als der kleinste gemeinsame Nenner einer Gesellschaft, die sich auf nichts einigen kann außer darauf, dass etwas Essbares billig, fettig und halbwegs warm sein soll? Vielleicht ist es sogar genial: Während Bürger*innen merken, wie teuer der Alltag geworden ist, präsentiert man ihnen: “Seht her! Wir prüfen für euch, damit ihr wenigstens bei der Wurst wisst, wo’s langgeht!”
In einer Welt, die von Krisen wackelt wie ein schlecht gegrilltes Käsekrainer, wird die Bratwurst zum Fels in der Brandung. Manche Nationen haben Hochkultur, andere haben Ölreserven, wir haben einen Würstel-Test.
Krieg in Europa? Möglich!
Aber bitte nicht die Grillzeit verderben
Man muss sich den Mut vorstellen, den es braucht, während geopolitische Eskalationsspiralen sich drehen wie ein Döner-Spieß, mit ernster Miene vor die Presse zu treten und zu sagen:
“Wir haben hier die Ergebnisse unseres Bratwurst-Checks.”
Ein Satz, der durch seine pure Existenz beweist, dass der zivilisatorische Überbau offenbar unkaputtbar ist. Dass selbst angesichts globaler Risiken jemand sagt: “Jetzt erst recht! Die Bürger sollen die bestinformierten Bratwurstkäufer des Kontinents sein!”
Es hat etwas Tröstliches.
Etwas Tragisches.
Etwas sehr Österreichisches.
Geschenkt!
Der finale Biss ins Absurde
Vielleicht ist es am Ende schlicht ein weiterer jener Momente, in denen man erkennt, dass alles gleichzeitig passiert: das Bedeutende, das Bedrohliche, das Banale und das völlig Überraschende. Während die Probleme der Welt in monumentaler Größe über uns kreisen, wie eine schlecht gelaunte Gewitterfront, werden an anderer Stelle Würste seziert, bewertet und statistisch sortiert.
Geschenkt!
Wir haben gelernt, dass Dokumente, Verträge und politische Vorhaben oft ungenießbar sind. Da ist es fast wohltuend, wenn wenigstens die Wurst nicht metaphorisch gemeint ist.
Und so bleibt uns, wie so oft: ein Schulterzucken, ein Augenrollen, ein leises Lachen. Und ein merkwürdig beruhigendes Gefühl, dass in einer Welt, die zunehmend unüberschaubar wird, wenigstens eines klar bleibt:
Irgendwer prüft für uns die Bratwurst.
Ob wir wollen oder nicht.