Man stelle sich Dublin vor: eine Stadt, deren Kopf voll ist mit literarischem Stolz, deren Straßen nach Joyce, Yeats und Beckett riechen, und die gleichzeitig den Mut aufbringt, Geschichte auszulöschen, sobald sie unbequem wird. Chaim Herzog Park, 2018 anlässlich des hundertsten Geburtstags eines Mannes eingeweiht, dessen Lebenslauf jede beliebige politische Ideologie überdauern würde, ist das perfekte Sinnbild für diesen urbanen Zirkus. Herzog, Sohn der Stadt, Jude, Soldat, Jurist, Befreier von Bergen-Belsen, Vernehmer von Himmler, Oberstleutnant der britischen Armee – ein Mann, dessen Existenz den Stolz auf Irland und die Würde der Menschheit zugleich verkörperte. Und doch: Kaum hat man den Namen auf ein Schild gepinselt, schon ist Dublin bereit, diesen Giganten in den Schatten der Bedeutungslosigkeit zu stellen, mit der Selbstsicherheit eines städtischen Dekorateurs, der entscheidet, dass „modernes Design“ Altlasten ersetzt.
Vom Kriegsdienst zur politischen Fußnote
Herzog hat nicht nur Juristenbücher gelesen, sondern in Panzertruppen die Hölle Frankreichs überlebt, Lager befreit und die Abgründe deutscher Kriegsverbrechen dokumentiert. Er hat Himmler befragt, als ob er ein unangenehmes Missverständnis aus der Schule aufklären wollte, während Millionen Leben auf dem Spiel standen. Und heute? Heute wird dieser Mann, der moralische Klarheit im Chaos des Krieges bewies, von einer städtischen Kommission aus dem öffentlichen Gedächtnis gestrichen, weil ein einzelner politischer Standpunkt ihn zu einem unbequem gewordenen Möbelstück macht. Die Ironie ist so dick, dass man sie fast schneiden könnte: ein Soldat, der Massenmord konfrontierte, wird auf ein Schild reduziert, das jetzt politischer Schachfigur dienen soll.
Die Kommission, der Widerstand und das triumphale Urteil
Eine Gegenstimme in einer Kommission, die ansonsten einstimmig entschieden hat, den Namen Herzog zu entfernen – man möchte fast applaudieren. Welch ein brillantes Stück demokratischer Performanz: einstimmig, bis jemand das Rückgrat beweist, nur um danach von der öffentlichen Meinung überrollt zu werden. Denn noch bevor irgendein neuer Name diskutiert wurde, erhoben sich Aktivisten, als hätten sie einen Spielplan der moralischen Erpressung bereits vorbereitet, und forderten die Umwidmung in „Free Palestine Park“. Das ursprüngliche Ziel, einen Sohn Dublins zu ehren, wird so elegant ersetzt durch ein politisches Statement, das sich wie ein unvermittelter Faustschlag in die städtische Identität anfühlt.
Politische Radikalisierung als städtische Virtuosität
Man muss Dublins Politik einfach bewundern: radikal links, voller Symbolik, bereit, historische Komplexität zugunsten eines ideologischen Schnellschusses zu opfern. Die Wahl von Catherine Connolly, die Israel als „Terrorstaat“ bezeichnete, verleiht dieser Dynamik einen besonderen Glanz: Staatliche Legitimation trifft auf moralische Kurzsichtigkeit, und die Stadt wird zu einem Schachbrett, auf dem historische Figuren durch politische Botschaften ersetzt werden. Dass es dabei nicht um Debatte, sondern um Eskalation geht, zeigt die Intensität, mit der öffentliche Parks zu Symbolbühnen politischer Selbstinszenierung werden.
Ein Park als Bühne der absurden Ironie
Am Ende ist der Park nicht nur Grünfläche, sondern eine Bühne absurden Theaters. Chaim Herzog, der Soldat, Jurist und Sohn Dublins, würde wahrscheinlich mit einer Mischung aus Amüsement und Entsetzen auf das Schauspiel blicken: Sein Leben, in wenigen Jahren eines Jahrhunderts so voller Bedeutung, wird nun als Staffage für zeitgenössische Ideologien verwendet. Dublin, in seinem postmodernen Überschwang, hat nicht nur die Geschichte gestrichen, sondern sie in einen bizarren Spiegel der eigenen Unsicherheit verwandelt: Man feiert den Aktivismus, während man den Sohn der Stadt vergisst.
Vom Humor der Tragik zur Tragik des Humors
Und hier, in diesem absurden Theater, liegt die bittersüße Pointe: Dublin kann sich rühmen, politisch engagiert zu sein, radikal, moralisch aufgeladen – und gleichzeitig die eigene Vergangenheit auslöschen. Es ist ein Tanz auf einem Parkett, das Herzog selbst vielleicht mit einer trockenen Bemerkung kommentiert hätte: „Wenn ich Himmler befragen konnte, dann kann Dublin wohl auch eine Kommission überstehen.“ Satire, Zynismus, Polemik – sie alle treffen hier auf die Realität einer Stadt, die ihre Geschichte neu erfindet, Parks umbenennt und Helden auslöscht, während sie glaubt, moralisch überlegen zu sein.