Die Illusion der Kontrolle

Eine funktionierende Demokratie freier und mündiger Bürger kennt keine Angst vor Kontrolle – sie lebt geradezu von der Selbstkontrolle der Bürger. Alles andere ist der schale Versuch, einem moralischen Überbau namens „Sicherheit“ den Glanz von Legitimität zu verleihen. Wer Kontrolle fordert, als wäre sie das Alpha und Omega demokratischer Existenz, offenbart nur eines: seine tief sitzende Paranoia. Demokratie, so paradox es klingt, ist kein Überwachungsinstrument, das man von oben herab auf die Untertanen niederlässt, sondern ein organisches Geflecht aus Vertrauen, Widerspruch und gelegentlich ein bisschen Chaos. Alles, was über die institutionalisierte Kontrolle hinausgeht, ist der verzweifelte Versuch, das Offensichtliche zu vertuschen: Dass Macht ohne Kontrolle sich selbst zerstört, aber nur, wenn die Bevölkerung klug genug ist, sie zu ignorieren.

Die Tyrannei der Sicherheitsfanatiker

Angst vor Kontrollverlust – welch schillerndes Mantra der modernen Politikelite! Sie sprechen von „demokratischer Verantwortung“ und „Transparenz“, während sie in Wirklichkeit ihre eigenen Filzstrukturen, Günstlingswirtschaften und Selbstbedienungsläden absichern. Wer wirklich Angst vor Kontrollverlust hat, liebt die Kontrolle über andere. Wer Kontrolle fordert, weil er sie selbst nicht ertragen kann, verhält sich wie ein Theaterdirektor, der die Zuschauer aus der Loge vertreiben will, damit niemand sieht, wie schlecht das Stück inszeniert ist. Und genau das ist der Kern unserer glorreichen Demokratie: Ein System, das sich selbst als Hort der Freiheit feiert, während es subtil und permanent die Fäden in der Hand hält. Bürgerrechte werden nicht verteidigt, sie werden nur wie Accessoires getragen – je nach Anlass und Tagespolitik.

Freiheit als Marketinginstrument

In diesem Licht betrachtet, ist Freiheit zu einem Marketinginstrument degradiert. „Wir sind die Demokratie!“ – ruft man aus den Rednerpulten, während hinter den Kulissen Aktenordner wandern, Verträge geschlossen werden, die der Bürger nie sehen darf, und Parteien kooperieren, wo sie öffentlich streiten. Die Angst vor Kontrollverlust wird instrumentiert, um Zustimmung zu erzwingen. Freiheit wird als Feigenblatt benutzt, während die eigentliche Kontrolle in unsichtbaren Händen liegt. In einer wirklich funktionierenden Demokratie bräuchte es keinen Orwell’schen Aufpasser, keinen Big-Brother-Staat und keine endlosen Prüfberichte. Die Bürger hätten genug Verstand, sich zu organisieren, zu widersprechen, zu intervenieren – und das ganz ohne ständige Überwachung oder paternalistische Belehrung.

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Satire als Spiegel

Man könnte es zynisch nennen, könnte sich angewidert abwenden, aber Satire hat ihren Zweck: Sie spiegelt das Unausgesprochene wider, das Offensichtliche, das man lieber unter Teppiche kehrt. Wenn man „unsere Demokratie“ betrachtet, fällt auf: Die Kontrolle ist allgegenwärtig, aber nicht für uns, die Bürger, sondern für uns, die Elite. Wer sich über die „Gefahren von Kontrollverlust“ echauffiert, fürchtet nicht das Chaos der Freiheit, sondern das Chaos der Transparenz. Wer wirklich Freiheit will, braucht keine Kontrolle, sondern nur die Gelegenheit, sie zu leben – und die Gesellschaft, die sie erträgt. Alles andere ist Theater, ist Ablenkung, ist die maskierte Furcht der Mächtigen, die wissen, dass ihre Legitimation nur so lange hält, wie wir sie ignorieren.

Fazit: Die Ironie der Macht

Es ist die bittersüße Ironie unserer Zeit: Je lauter die Rufe nach Kontrolle, desto schwächer das Vertrauen in die Demokratie selbst. Die Angst vor Kontrollverlust ist kein Zeichen von Verantwortung, sondern von Angst – der Angst, die eigene Macht zu verlieren, die eigenen Privilegien zu gefährden, das eigene Theaterstück zu entlarven. Eine echte Demokratie muss sich nicht verteidigen. Sie verteidigt sich durch die Bürger, durch die Freiheit und den Widerspruch. Alles andere ist Illusion, ein Spiegelkabinett von Parolen, das nur jene schützt, die nicht wirklich frei sein wollen.

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