Der Admiral und die Kunst der Präventivverteidigung

Man muss sich die Szene bildlich vorstellen: Ein hochdekorierter Admiral, Giuseppe Cavo Dragone, nicht irgendein Seemann, der nach einem ausschweifenden Rum-Exzess seine Navigationsfähigkeiten über Bord geworfen hat, sondern der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, erhebt sich in der feinen Gesellschaft der Financial Times und artikuliert Sätze, die so klangvoll nach diplomatischer Balance und strategischer Kühnheit klingen, dass man sie sofort in die Annalen der euphemistischen Kriegssprache eintragen möchte. „Präventivschlag“ sagt er, und dabei denkt man kurz an Shakespeare, der wahrscheinlich in seiner letzten Lebensphase ein ähnliches Wortspiel auf Lager gehabt hätte, hätte er die NATO und Moskau gekannt: ein Angriff, der eine Verteidigung sein soll – und schon ist man in der paradoxen Welt des modernen Militärdiskurses gefangen, wo Logik und Moral sich in elegante Tango-Schritte verheddern.

Die hybride Kriegsführung und das Theater der Ambiguität

Hybride Kriegsführung, ein Begriff, der klingt, als habe jemand aus der Marketingabteilung eines Tech-Startups eine todbringende Strategie für Cyberangriffe, Desinformation und wirtschaftliche Destabilisierung entworfen. Dass Moskau in diesem Szenario als „hybrider Puppenspieler“ agiert, lässt sich ebenso gut in einer Shakespeare-Komödie vorstellen, nur dass hier die Puppen echte Menschen sind, und die Fäden unsichtbar und gleichzeitig tödlich. Dragone, der Admiral, lässt uns die Möglichkeit eines Präventivschlags als bloße „Verteidigungsmaßnahme“ sehen, und man muss unwillkürlich lachen – oder weinen. Die Militärsprache hat es geschafft, ein Wort, das früher Aggression bezeichnete, in die Kategorie ethisch vertretbarer Schutzmaßnahme zu überführen, wie ein Zaubertrick, bei dem das Kaninchen nicht nur aus dem Hut springt, sondern vorher höflich um Erlaubnis gefragt wird.

Präventivschlag als literarisches Mittel

Man könnte fast meinen, Dragone habe nicht nur das strategische, sondern auch das literarische Genie der NATO entdeckt. Ein Präventivschlag, in seiner Diktion, wird zur rhetorischen Chiffre, ein sprachlicher Fechtschlag, der uns glauben macht, dass wir Verteidiger sind, obwohl wir die erste Münze ins Feuer werfen. Es ist ein bisschen so, als würde man den Taschendieb bitten, die Brieftasche zu sichern, während er noch die Fingerabdrücke hinterlässt. Hier zeigt sich das wahre Können: die Verschmelzung von militärischer Realität und literarischer Virtuosität. Die NATO, dieser globale Bühnenkomplex, inszeniert die Drohung und die Verteidigung so kunstvoll, dass der Zuschauer, sprich: die Öffentlichkeit, nicht mehr sicher ist, ob sie applaudieren oder fliehen soll.

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Zwischen Realität und Satire

Satire, man muss es gestehen, ist hier kein optionales Gewürz, sondern die einzige Überlebensstrategie für den kritischen Beobachter. Wenn ein Präventivschlag „Verteidigung“ ist, dann ist auch der Morgenkaffee ein militärisches Manöver gegen die Müdigkeit, und der Hund, der den Postboten anbellt, eine potentielle Bedrohung für die nationale Sicherheit. Dragone, der Admiral, sitzt vermutlich in einem Sitzungssaal mit Blick auf die Alpen und denkt, dass diese semantischen Gymnastikübungen das Beste sind, was die westliche Diplomatie seit dem Kalten Krieg hervorgebracht hat. Zugleich erinnert uns seine Aussage daran, dass Krieg heute nicht mehr nur mit Panzern, sondern mit Worten, Etiketten und ironischer Distanz geführt wird.

Epilog zwischen Augenzwinkern und Ironie

Am Ende bleibt die Frage, wer hier wen verteidigt und gegen wen? Ist es die NATO, die sich vor der Hybris des Kremls schützt, oder ist es die Öffentlichkeit, die täglich mit euphemistischen Formulierungen bombardiert wird? Dragone mag nur seinen Dienst tun, aber wir, die Beobachter, müssen die Metapher des Präventivschlags als literarisches und moralisches Rätsel begreifen: Man kann gleichzeitig lachen, schaudern und applaudieren – was, seien wir ehrlich, in diesen Zeiten wahrscheinlich die realistischste Verteidigung ist, die wir haben.

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