Die Älteren sollten ihre Schuld eingestehen!

Gut, ich bin an allem schuld! An allem. Am CO2, am Brexit, am Plastik im Meer, am Gender Pay Gap, an meinen AMS-Privilegien und daran, dass Donald Trump Präsident ist! Ich bin ein weißer Mann, der auf die 60 zugeht, habe keine Kinder aber den Planeten fast im Alleingang zu Tode konsumiert. Ich entspreche somit also genau dem Täterprofil einer narzisstischen und vergnügungssüchtigen Alterskohorte (#gerontophobie)!

Was aber tat sich, als ich im FFF-Alter war?

Das © für «Trau keinem über 30» war auch damals bereits vergeben, Sorry!

Weit mehr als eine Million Bürger gingen in Deutschland 1983 auf die Straße, um doch noch die Stationierung von US-Atomraketen zu verhindern (Ostermärsche gegen den NATO-Doppelbeschluss)

1984 folgt in Österreich die Besetzung der Stopfenreuther Au (heute ist das Gebiet Teil des Nationalparks Donau-Auen) und in Wien demonstrieren 40.000 Menschen gegen das Kraftwerk in Hainburg; Gründungsstunde der Grünen. Für alle, die auf die heute freitags auf die Straße gehen: im Parlament wäre in den letzten 35 Jahren von diesem Engagement vermutlich wenig angekommen, wenn es die Grünen nicht gegeben hätte, die seit Jahrzehnten auf die politische Umsetzung von Umweltschutzbelangen pochen. 

1986 folgen Proteste gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf (100.000 Menschen demonstrieren an Ostern) und es gab auch Widerstand gegen das Atomkraftwerk Brokdorf und gegen andere Großanlagen wie den Flughafenausbau durch die Startbahn West in Frankfurt.

OMG 1986 in Wackersdorf

Es folgen Proteste und Maßnahmen gegen Gewässerverschmutzung (95,1 % der heimischen Gewässer sind heute als “exzellent” eingestuft), Sauren Regen und Waldsterben (“Zuerst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch”, die Umweltauflagen wurden daraufhin per Gesetz strenger geregelt: Katalysatoren in Autos wurden Pflicht, Rauchgase aus Kohlekraftwerken und Fabriken gefiltert und entschwefelt. So sanken die Schwefeldioxidemissionen aus der österreichischen Industrie von 340.000 Tonnen in den 80er Jahren auf 17.000 Tonnen heute), das Ozonloch (1987 einigten sich nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zu FCKW und der Auswirkung auf die Ozonschicht fast 200 Staaten auf das Montreal Protokoll, welches mit dem FCKW-Verbot 1996 abschloss), …

OMG 1986 in Wackersdorf

Vor über 40 Jahren erfolgte, nach der Zwentendorf-Volksabstimmung am Sonntag, 5. November 1978, in Österreich der Ausstieg aus der Atomkraft. (3 Atomkraftwerke waren für Österreich geplant: zusätzlich zu Zwentendorf: St. Pantaleon-Erla (NÖ) und St. Andrä (K))

Die Mülltrennung begann vor über 30 Jahren. Dadurch landen in Wien alleine 40 % weniger wertvolle Rohstoffe im Müll und 75.000 Tonnen CO2 werden somit gespart. “

Zu wenig? Rückblickend wohl, aber im Rahmen der Möglichkeiten und des damaligen Wissenstandes auch nicht nichts.

Noch ein Ausflug zum Brexit:

Die Wahlbeteiligung beim Brexit Votum war bei den 18-34-jährigen 64 % (die Wahlbeteiligung der 18- bis 24-Jährigen lag bei 36 (!) Prozent) bei den über 34-65-jährigen 80 % und bei den älteren noch mehr.

Was wäre wohl bei einer Wahlbeteiligung von 85 % oder mehr der 18-34-jährigen passiert? (die taz hätte da ne Lösung: Führerscheine sollte man im Alter abgeben. Warum nicht auch das Wahlrecht?)

Kleiner Seitenhieb: laut statista.de greifen Verbraucher zwischen 16 und 24 Jahren dreimal häufiger zur Plastiktüte; nun, die wurden halt nicht mit der Jutetasche mit dem „Atomkraft Nein Danke“ Logo sozialisiert 😉

Ich würde aber als Junger das Wahlrecht nutzen, so lange es noch geht; wie sagt Roger Hallam so schön: das Thema ist “größer als die Demokratie“, denn, “wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant.” (aber für ihn ist ja auch der Holocaust nur „ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte.”)

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