Linker Antisemitismus vom Feinsten
Wenn die gute Absicht geschniegelt marschiert und dabei das Denken erschlägt Es gibt Texte, die liest man und hat sofort dieses unverwechselbare Gefühl: Ah ja, hier spricht die aufgeklärte Avantgarde – aber bitte nur in dem Sinn, in dem ein Presslufthammer „spricht“. Der Gastkommentar von Benjamin Schütze in der taz mit dem Titel „Die TruppenRead more
Segen sei mit ihm
Der Anspruch der Ewigkeit und die Tyrannei des Augenblicks Der Anspruch allgemeiner Gültigkeit ist die große rhetorische Währung heiliger Texte: Was hier gesagt wird, so die implizite Drohung, gilt immer, überall und für alle. Wer den Koran jedoch konsequent entlang der Biographie des Propheten liest und zusätzlich die Logik der Abrogation ernst nimmt, dem zerbröseltRead more
Das Diskursproblem als Komfortzone
Es gibt Momente, in denen das Wort „Diskursproblem“ wie ein Sofa wirkt: weich, breit, einladend, ideal zum Hineinsinken, wenn die Wirklichkeit stachelig wird. Luisa Neubauer hat dieses Möbelstück jüngst im Funke-Podcast neu bezogen, und zwar mit dem Stoff der eigenen Befindlichkeit. Nicht der 7. Oktober 2023, nicht die Massaker, nicht der eruptive Judenhass, der seitdemRead more
Antisemitismus unter Quarantäne
Das Labor mit den dicken Wänden Antisemitismus ist in Österreich ein Forschungsgegenstand, der unter Quarantäne steht, geschniegelt, nummeriert, mit Latexhandschuhen angefasst und nach getaner Betrachtung wieder sorgfältig in den Tresor gesperrt wird. Er darf das Labor nicht verlassen, denn draußen könnte er ansteckend sein, oder schlimmer noch: erkenntlich. Dort draußen nämlich trägt er längst keineRead more
Ein Gedenktag betritt die Bühne,
und stolpert über den roten Teppich Welttag gegen Islamophobie. Schon das Wortgebirge wirkt wie eine frisch asphaltierte Umgehungsstraße für Denkfaulheit, breit genug für Ministerlimousinen, NGOs und Hashtag-Karawanen zugleich. Ein Tag, der uns alle, kollektiv und mit ernster Miene, an die Hand nehmen will, damit wir endlich fühlen, was wir ohnehin fühlen sollen. Echt jetzt? DerRead more
Wiesbaden, moralisches Epizentrum
Ein Fest der digitalen Selbstgerechtigkeit Wiesbaden, dieses noble Nest am Rhein, glänzt nicht nur durch Fachwerkromantik und Thermalbäder, sondern neuerdings durch ein virtuelles Tribunal, das sich selbst für Richter über Weltpolitik hält. Die jüdische Gemeinde lädt Arye Sharuz Shalicar ein, Ex-Sprecher der israelischen Armee, und zack – aus der Tiefe der Social-Media-Sümpfe tauchen sie auf:Read more
Anne Frank mit Kufija
Wenn Historie zur Meme-Kultur mutiert Es gibt Momente in der Kunstkritik, die so bizarr wirken, dass man sich fragen muss, ob man Zeuge eines intellektuellen Deliriums oder schlicht moralischer Blindheit ist. Costantino Ciervos Ausstellung „Comune. Das Paradox der Ähnlichkeit im Nahostkonflikt“ gehört zweifellos in diese Kategorie. Neapel, 1961 geboren, Wirtschaft und Politik studiert, nur umRead more
Der Flüchtlingsstatus, der nicht sterben wollte
Es gibt Tage, an denen man den Verdacht hegt, dass die Weltgeschichte von einem übernächtigten Büroangestellten geführt wird, der seine Akten im Halbdunkel eines Kellergeschosses sortiert, während er aus einem halbverstopften Thermobecher kalten Kaffee trinkt. Man hört förmlich, wie der Großarchivar des Universums durch vergilbte Register blättert und mit dem gelangweilten Seufzen eines Beamten nachRead more
Die Unsichtbaren der Geschichtsbücher
Massenexodus nach 1948 Man könnte meinen, die Welt habe ein bemerkenswert selektives Gedächtnis, das sich darin manifestiert, dass Millionen von Menschen, die gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, einfach so aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden – vorausgesetzt, sie tragen keine palästinensischen Fahnen oder lassen sich politisch instrumentalisieren. Über eine Million Juden flohen seit 1948 ausRead more
Dublin, die Hauptstadt der symbolischen Akrobatik
Man stelle sich Dublin vor: eine Stadt, deren Kopf voll ist mit literarischem Stolz, deren Straßen nach Joyce, Yeats und Beckett riechen, und die gleichzeitig den Mut aufbringt, Geschichte auszulöschen, sobald sie unbequem wird. Chaim Herzog Park, 2018 anlässlich des hundertsten Geburtstags eines Mannes eingeweiht, dessen Lebenslauf jede beliebige politische Ideologie überdauern würde, ist dasRead more
Die paradoxe Freiheit
Israel als arabische Erlebniszone der Demokratie Wer behauptet, dass die arabische Welt generell ein Hort der Freiheit sei, hat entweder die Schlagzeilen der letzten Dekade auf dem Flohmarkt der historischen Wirklichkeit gekauft oder lebt in einem permanenten Zustand der politischen Blindheit. Dennoch sticht ein Staat wie ein scharfkantiger Diamant aus diesem vermeintlich monotonen Mosaik hervor:Read more
Antisemitismus – Die vergessene Verknüpfung
I. Vorspiel mit Verdrängung – Deutschland und seine linke Reinwaschung Wenn man in Deutschland „Antisemitismus“ sagt, denken die meisten an Stahlhelme, Hakenkreuze und dumpfe Parolen aus Bierdunst. Kaum einer denkt an Parkas, Che-Guevara-Plakate und Zitate aus Herbert Marcuse. Die einen hassten Juden, weil sie „fremd“ waren; die anderen hassten Israel, weil es „zu westlich“ war.Read more
Hundert Jahre Endlosschleife: Krieg, Niederlage, Opfermythos
I. Prolog: Die endlose Reprise Man möchte glauben, Geschichte sei linear, dass ein Ereignis logisch auf das vorherige folgt, dass Ursachen und Wirkungen klar erkennbar sind, dass man aus ihr lernen könnte, und dann stößt man auf den Nahen Osten, auf Israel, auf Palästina, auf hundert Jahre Zyklen, die sich wiederholen, in denen Israel angegriffenRead more
Die Quadratur des Halbmonds
Ein polygamer Pilger im Tempel der europäischen Werte Man stelle sich den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vor wie eine Kathedrale aus Glas und Paragrafen, in der die Gläubigen der Moderne täglich das Evangelium der universalen Gleichheit rezitieren. In dieser ehrwürdigen Hallenkonstruktion tritt nun Khaled Saleh Mohammed Al-Anesi auf, ein Mann, dessen Familienstruktur an genealogische GesamtkunstwerkeRead more
Ein Preis für den Frieden
oder: Wie man den Irrsinn vergoldet Man stelle sich vor: Ein Preis, der für „Verdienste im Kampf gegen Vorurteile, Intoleranz und Hass“ vergeben wird, landet in den Händen eines Mannes, dessen moralischer Kompass gelegentlich scheint, als sei er auf einem Jahrmarkt ausgestellt. Benjamin Idriz, Imam, moralischer Kommentator, und anscheinend auch Künstler im Genre der historischenRead more














