Die Demokratie so wie sie jetzt ist, bringt einfach nicht die richtigen Maßnahmen durch, sie setzt nicht mal ihre eigenen Klima-Beschlüsse um. Die Frage ist also: Wie können wir etwas ändern? Darüber muss es eine Diskussion geben. Mit einem System weiterzumachen, das nicht funktioniert, ist definitiv keine Lösung.” 

(© Fr. Carola Rackete)

Ralf Dahrendorf hat bereits 1997  in: “Die Globalisierung und ihre sozialen Folgen werden zur nächsten Herausforderung einer Politik der Freiheit” die Schwelle zum autoritären Jahrhundert ausgemacht.

Die Nebenwirkungen der Globalisierung schaffen Probleme, denen mit normalen demokratischen Methoden abzuhelfen schwierig ist. Schon die Erhaltung von Recht und Ordnung ruft beinahe unweigerlich autoritäre Maßnahmen auf den Plan.

Ralf Dahrendorf

Auf den Weg in die Ökodiktatur?

Häufig rutschen freiheitliche Gesellschaften in Diktaturen ab, wenn diktatorische Maßnahmen eine diffuse Teilzustimmung innerhalb von Gruppen erlangen, die sich eigentlich als freiheitsliebend verstehen. Was vorher undenkbar oder unanständig schien, scheint plötzlich plausibel: Wäre nicht ein wenig mehr Durchgreifen, ein bisschen mehr Autorität, ein bisschen frischer Wind gut fürs Gute? Wozu die lahmen und zahnlosen demokratischen Prozesse, das Gekläff der widerstreitenden Parteien, während die Welt zugrunde geht? Wie jede Diktatur, so wird auch die ökologische Diktatur vorgeben, sie sei lediglich eine zeitweise Abhilfemaßnahme im Notstand; sobald dieser behoben sei, könne man zu sanfteren Verfahrensnormen zurückkehren. Wie in jeder revolutionären Diktatur behauptet eine selbst ernannte Avantgarde – gern im Verbund mit idealistischer Jugend – sie handle in übergeordnetem Interesse. Und wie jede Diktatur, so formulieren unsere ökologischen Aktivisten eine Feinderklärung und stellen fest, dass Späne fallen müssten, wo gehobelt werde.

Geschäftsführer, Verleger und Chefredakteur: Jakob Augstein

Oder, wie der seit 2003 stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung ZEIT (katholisch, vegan, Schalker) formuliert:

Umgekehrt: weil mir Freiheit das wichtigste ist, will ich einen starken Staat, auch einen ökologisch tatkräftigen. Freiheit gegenüber dem Staat ist mehr so 20. Jahrhundert, Freiheit durch den Staat mehr so 21.

Bernd Ulrich
Download PDF