Ein Tag im Februar

Wer sich vorgesetzt hat, ein möglichst ehrliches und anschauliches Bild seiner Zeit zu geben, muß auch den Mut haben, romantische Vorstellungen zu enttäuschen … So sonderbar es scheinen mag: ich war an diesen historischen Februartagen 1934 in Wien und habe nichts gesehen von den entscheidenden Ereignisse, die sich in Wien abspielten und nichts, auch nicht das mindeste davon gewußt, während sie geschahen. Es wurde mit Kanonen geschossen, es wurden Häuser besetzt, es wurden Hunderte von Leichen davongetragen – ich habe nicht eine einzige gesehen. … Alles ging im innern Kreise der Stadt ebenso ruhig und regelmäßig weiter wie sonst, während in den Vorstädten der Kampf wütete, und wir glaubten töricht den offiziellen Mitteilungen, dass alles schon beigelegt und erledigt sei.“

Stefan Zweig

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Oliver M. GRUBER-LAVIN
Über Oliver M. GRUBER-LAVIN 353 Artikel
Universaldilettant, geboren in Wien, nach einem erfolgreich abgebrochen Studium der Publizistik und Politikwissenschaft, Berufssoldat, Blauhelm in Syrien, Parlamentarischer Referent und Kommunalpolitiker, Fotograf, Radiomoderator, IT-Trainer & Coach, einige Jahre im Kupferbergbau in Afrika, und danach als Senior Expert und Dozent in der Erwachsenenbildung sowie als Managing Partner in einer Kommunikationsagentur tätig. Nun als Autor mehrere Bücher und Generalsekretär einer int. NGO mit allgemeinen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen, als deren ECOSOC Delegierter mit der Implementierung von Projekten in Ostafrika betraut.