Frieden schaffen mit schweren Waffen

Mir ist das alles zu allgemein. (Schwere)Waffen per se bringen einmal gar nichts. Sie sind letztlich nur die Werkzeuge, die eingesetzt werden, um dann einer Strategie folgend ein Ziel zu erreichen. Zur Ausformulierung ist das wichtigste Instrument das „Lagebild“, das, bis auf die mit Aufklärungsbildern versorgten internationalen Stäbe wohl niemand wirklich hat. Daher ist das einfache Ausräumen von Lagern, und es sind ja Altbestände (z.B. Leopard 2 ca. 45 Jahre alt) nicht sinnvoll, von der Logistik mal abgesehen (ein „schwerer“ Panzer verbraucht ca. 500 l/100Km). Waffensysteme müssen auch ineinandergreifen, aufeinander abgestimmt sein. Was soll kommen? Eine Panzerschlacht in der Mitte der Ukraine? Bestenfalls ein Patt. Schwere Waffen sind einerseits mächtig, andererseits aber auch verwundbar.

Was mir auch fehlt, ist das „Kriegsziel des Westens“.

Den Angriff zum Stehen bringen? Den Angreifer über die Grenze zurückdrängen? Eine Ukraine in den Grenzen von 2013? Bedingungslose Kapitulation im Führerbunker Moskau? Ich konnte es bislang nicht herausfinden.

Ist das nicht geklärt, und ein Einstieg der NATO in den Krieg ist ja wohl (hoffentlich) keine Option, ist intelligente Kampfführung gefragt. Nach meiner Erfahrung als ausgebildeter Jagkämpfer (Jagdkampf kennt im Wesentlichen 3 Kampfarten: Hinterhalt, Überfall und Störaktion) ist eine schnelle, mobile Kampfart gefragt. Unterstützung in Form von Satelliten- und Luftaufklärung werden sie sowieso bekommen, Letztlich wird man wohl danach trachten müssen, den militärischen wie politischen Preis für den Aggressor so hoch wie möglich zu machen.

Putin hat das klassische v. Clausewitz-Problem (nicht das mit der Politik) sondern das wichtigere: „Nichts ist schwieriger als der geordnete Rückzug aus unhaltbarer Position“. Es genügt schon, wenn einer dieses hat, ohne echten Strategie, haben es bald beide Seiten. Dann nämlich, wenn man Präsident Selenskyjs (moralischen) Druck erliegend alle Wunschzettel erfüllt. Vielleicht ist ja auch eine Option bei der Lösung des Clausewitz-Problems behilflich zu sein?

HELM AB ZUM GEBET

Auch die Hintergrundgeräusche zu (ehemals hehren Slogans) macht unrund. Im Vorfeld der Ostermärsche meinte der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse das verbreitete Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ sei aktuell eine „Arroganz unerträglicher Art“ gegenüber den Menschen in der Ukraine (ich finde ja Angriffskriege unerträglicher).

Und Bayerns Bischöfe haben die Gläubigen zu Ostern auf Einschränkungen in längeren Krisenzeiten eingeschworen. „Um des Lebens willen werden wir wohl den Gürtel enger schnallen müssen, wir werden ärmer. Wir müssen die Schöpfung schützen“ (Aber die haben ja schon immer alle Waffen gesegnet und werden weder frieren noch hungern).

In Stanley Kubrick’s „Dr. Strangelove“ sinniert General Ripper: „Clemenceau meinte, der Krieg ist zu wichtig, um ihn dem Militär zu überlassen, heute ist er zu wichtig, um ihn den Politikern zu überlassen.“ Da ist was Wahres dran.

Was ich seit geraumer Zeit wahrnehme ist in erster Linie Kriegsrhetorik aus gesinnungsethischer Absicht, manches wohl aus guter Absicht, aber der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten. (Und wir wundern uns über 1914 und die Künstler und Intellektuellen, die dieser Rhetorik erlagen, „Kauft nicht bei Russen“ ist nicht fern)

Wollen wir nicht (wie 1914) in eine extreme Eskalation taumeln, müssen wir früher oder später raus aus der militärischen Eskalationslogik.

Sonst, Helm ab zum Gebet.

Frieden schaffen mit schweren Waffen
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