WOKE STANDARD ZENSUR

WOKE BROTHER IS WATCHING YOU

Eine Antwort auf DER STANDARD-Zensur

Nein, helfen wird es nicht, aber nötig ist es. Ich verweigere mich dem Druck der „Erwachten“ und ihrer übersteigerten Form der political correctness, „Sei wach, richte über andere, und fühle dich gut dabei“. Leider irrte Kant im zweiten Teil seines beliebten Kalenderspruches, zwar nicht mit der Diagnose, aber mit der Ansicht, dass „das Unvermögen sich seines eigenen Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen“ heilbar sei.

Zwar wurde mit diesem Aufbruch einiges erreicht, der Zweifel am Hergebrachten, das Hinterfragen des Selbstverständlichen, das die Menschheit weiterbrachte, umso grausamer schlägt es heute zurück.
Der großen Mutter Sozialdemokratie, im weitesten Sinne die Linke (ich weine meinen Gesprächen mit Genossen Rudi Gelbard nach – das war ein großer Sozialdemokrat) hat ihr wichtigstes Mündel die Arbeiterschaft schon längst verloren, kann aber nicht mündelfrei leben. Also finden wir neue, von Palästina bis hinter dem Regenbogen.
Sie merken in Ihrer Verblendung oft den Irrsinn nicht mehr. Aktuell die Forderung nach einem Abschiebestopp nach Afghanistan mit beschleunigter Abschiebung zu verbinden, oder ganz am Ohr der werktätigen Klasse die SPD auf ihrem Landesparteitag den Beschluss fasste, auf öffentlichen Toiletten seien Mülleimer für die Periodenprodukte von menstruierenden Männern aufstellen. Irre? Klar, aber der Irrsinn hat System. (Bald wird man in D sagen müssen: SPD hat 5% Hürde souverän übersprungen!)

Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung und den Schutz vor Willkür und Gewalt, sondern um jedwede Äußerungen, welche die zu Schützenden als Diskriminierung empfinden könnten. Damit entsteht eine neue Empfindlichkeit; die Grenze der Schutzbedürftigkeit ist in Auflösung begriffen. Als Folge soll die Sprache verändert werden, und mit erhobenem Zeigefinger korrektes von inkorrektem Sprechen getrennt werden. Über gewisse Themen lässt sich nicht mehr reden, geschweige denn denken oder forschen.

Beim „Opferschutz“, um den es der political correctness geht, kommt es inzwischen nur mehr darauf an, ob sich jemand verletzt fühlt, nicht mehr, ob seine Gefühle mit Absicht verletzt wurden. Weil das Opfer entscheidet, liegt die moralische Beurteilung jetzt in seiner Macht. Dass es allerdings kein grundsätzliches Recht gibt, nicht verletzt zu werden, wird geflissentlich übersehen.

1984 schau owe! Die Sprache wird von «schädlichen» Begriffen gereinigt und durch Newspeak ersetzt. Das Staatsfernsehen tut das Ihre und verbreitet unaufhörlich Fake News – beides Themen unserer Zeit.
Angefangen hatte es mit dem geschlechtsneutralen Reden, dann wurden Dicke zu Vollschlanken, Putzfrauen zu Raumpflegerinnen, Immigranten zu Neubürgern, Invalide sind nun Menschen mit Behinderungen, statt von Fußgängern (male chauvinism!) wird von «zu Fuß Gehenden» gesprochen, Neger wurden zu Afroamerikanern, obgleich selbst Martin Luther King das tabuisierte N… word in seinen Reden wie auch viele Schriftsteller in ihren Texten benutzten. Und gewiss: Neger, Farbige oder Afroamerikaner bleiben mit neuem Namen die gleichen Menschen, verharren in der gleichen sozialen Stellung, wie immer man sie auch nennt. Entscheidend wäre die Haltung, der Respekt, die Rechte, die ihnen zukommen, und nicht die Semantik. Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin aus Rumänien, fragte die Zigeuner ihrer Heimat, ob sie mit dem Unwort oder als Sinti oder Roma bezeichnet werden möchten. Die Antwort war: «Jedes Wort ist gut, wenn man uns gut behandelt.» Es ist nicht das Wort, es ist der Respekt, der zählt.

Unbehindertes Denken, unbeschränktes Fragen sind für mündige Menschen, für den wissenschaftlichen Fortschritt und eine offene Gesellschaft entscheidend.
Die Woke-Ideologie, besser Religion, hat damit aber nichts, gar nichts am Hut. Es geht darum, das Overton-Fenster zu verengen, ketzerische Meinungen ausfindig zu machen und diejenigen brutal zu bestrafen, die es wagen, selbst zu denken.

Wir brauchen eine grundsätzliche Offenheit und kein vorbestimmtes Wahrheitsspektrum. Die moralisierende Behinderung dieser Offenheit durch sprachliche Tabus und rigorose Denkverbote ist ein Rückschritt hinter die Aufklärung. Der neue moralische Puritanismus führt uns in die Irre, weil er auf Tabus und Verbote und nicht auf Aufklärung und freies Denken setzt.

Letztlich sind Sellner und die (zumeist lustigerweise meist weißen) BiPocen LSBT*Q-„Aktivisten“ nur verschieden Seiten einer Medaille, die Menschen nicht als mit rechten und Pflichten ausgestaltetes Individuum in einer Solidargemeinschaft begreifen, sondern auf die eine oder andere Identität (im Falle des Geschlechts meinetwegen auch auf 62 fluide Identitäten) reduzieren.

Kurz gesagt halt Rassisten, identitäre Rassisten. Und der Standard ist ihr Zentralorgan.

Also: Etiam si omnes, ego non, und darauf trinke ich ein Mohren Bräu