VODOO-ZAUBER AN BORD DER BALKAN AIR

Ein Mensch kam zu Tode. Wie undankbar.

Da zahlt ihm das verhinderte Gastland einen Flug ins sonnige Afrika, gibt ihm sogar noch drei Begleiter mit auf den Weg die sich rührend um den Schutzbefohlenen kümmern, und was macht der so sorgvoll betreute? Zaubert sich weg und stirbt ganz einfach. Dabei bewiesen die Herren von der öffentlichen Behörde noch so viel Taktgefühl, sich ein paar Sitze weiter zu platzieren, und doch immer wieder nach ihren Schützling zu sehen – echte Freunde und Helfer eben.

Aber Abschiebungen nach Afrika “san ka Lercherl”, wie ein Wiener Fremdenpolizist zu berichten weiß. Zwar ist der Verdienst dafür – aufgrund von Überstunden und Reisegebüh­ren – “nicht schlecht”. Aber es Ist halt “wahrlich schwer verdientes Geld”.

Schuld ist natürlich keiner, oder eben der, den man nun nicht mehr belangen kann. Jedenfalls nicht der Arzt, der Marcus O. in Österreich untersuchte, und schon gar nicht die die drei netten Herren. “Wahrscheinlich kann man annehmen, dass der Arzt nicht davon ausgehen konnte, dass die Polizisten dem Schubhäftling den Mund mit Leukoplast verkle­ben”, meinte der Sprecher des österreichischen Innenministeriums Gollia: “Und die Poli­zisten konnten nicht wissen, dass der Mann chronisch erkrankt ist”.

Tja, nachher ist man eben immer klüger.

Beruhigend an diesem „Zwischenfall” ist aber wenigstens, dass auch der Betreuer des „Schubhaft Soziadienstes” bestätigt, Marcus O sei „offensichtlich paranoide” gewesen. Des Weiteren sei der Verstorbene psychisch labil gewesen, ein Vorwurf, den man gegen die drei begleitenden Exekutivbeamte sicherlich nicht erheben kann. Wer allerdings schwer paranoide ist, die Kleber oder der Beklebte, darüber erübrigt sich wohl die Diskussion. Unerträglich.

dahinter System oder schlicht Dummheit steckt, sei der Beurteilung jedes einzelnen überlassen.

Aber Österreich reagiert. Zwar haben natürlich weder der Innenminister noch der Si­cherheitsdirektor und wahrscheinlich schon gar nicht der Wiener Polizeidirektor von der Praxis der Knebelung von Schubhäftlingen gewusst, aber ändern muss sich etwas. Nicht, dass die Herren mehr wissen wollen, nein Wissen ist schließlich nicht nur Macht, sondern auch Schuld, da muss man schon fein unterscheiden – nein wir müssen nachdenken – wie man so was in Zukunft vermeidet. Nicht die Abschiebungen, nein die unerfreulichen Zwi­schenfälle natürlich.

Elegant ist beispielsweise der Vorschlag, für „Sammeltransporte” Flugzeuge anzu­schaffen oder anzumieten. Vielleicht mit einer Stewardess in Polizeiuniform, die bei der Sicherheitsbelehrung auch den richtigen Umgang mit Klebebändern erläutert. (.. Im Falle eines Druckabfalls in der Kabine werden Sie gebeten, das Klebeband nicht zu entfernen, … oder so.)

Aber vielleicht sehe ich dies ja alles zu eng. Wo gehobelt wird fallen eben Späne.

Posted: Januar 23rd, 2011 | Author: OMG | Filed under: Randnotizen | No Comments » -->