“HELAU UND HELAF”
ÖSTERREICH – WIE ES SINGT UND LACHT
oder Fasching alleine ist Österreich noch lange nicht gut genug
Motto: “Die Jahrhunderte vergehen, die Fastnacht bleibt bestehen
(Motto des Mannheimer Umzugs 2000)
Glaubt man der fortschrittlichen Biologie, gibt es nur eine Rasse, die menschliche.
Ich wage dies zu bezweifeln. Es gibt Menschen aller Völker und Hautfarben, und es gib Karnevalisten (Tätää, tätäää). Erraten, es ist wieder einmal Fasching und von Villach bis Mainz herrscht der Ungeist deutschen Humors. “Ab in die Bütt” – schalt es durch die Landen. Wollt Ihr den totalen Fasching? Jaaaaaa!!! Hallt es aus tausenden besoffen Kehlen. Also läutet man das 1000jährige Reich dessen ein, was diese so gerne Humor nennen. Die Narren sind los und allerorts sprießen die lustig-lächerlichen Faschingsreiche aus dem Boden. Deren Regierungsform – eine Art besoffene Wahlmonarchie – repräsentiert durch ein unterbelichtetes Prinzenpaar – ist augenscheinlicher Ausdruck der wahren germanischen Politkultur.
Wen nimmt es Wunder? Historisch war der Republik, weder der 1. in Österreich, noch der Weimarer in Deutschland kein solcher Erfolg gegönnt. Während Österreich nun diese, wegen des durchschlagenden Erfolges, zur Regierungsform erhoben hat (Tätää, tätäää), haben es die Deutschen besser; dort ist der Spuk wenigstens mit Aschermittwoch beendet. Die leiden ja nur unter der Fastnacht, wir unter einer Wahlnacht. So nimmt der Spuk kein Ende. Die Regenten sind in dieser Zeit Prinzenpaare, deren Macht sich auf Kompanien leicht bekleideter Frauen stützt. Da ist Österreich anders. Deren Macht stützt sich sogar auf ein echtes Parlament. Was erwartet uns da noch? Etwa dies? Abstimmung, früher durch Aufstehen der Befürworter gekennzeichnet, ist Geschichte. Die Regierungsfraktionen zeigen durch geselliges Schunkeln ihre Zustimmung an, der Präsident grüßt mit “Helau” und “Helaf” und ein Orchester wird für das die Ordnungsrufe ersetzende unvermeidliche – erraten – tätää engagiert. Am Namen der Veranstaltung muss man nichts ändern, heißen diese ja von Villach bis Mainz auch Sitzungen.
Nehmen wir zum Beispiel das neue österreichische Prinzenpaar, Wolfgang I. und Susanne. Der Prinz, gesegnet mit einer Masche gegen die der gordische Knoten eine Laufmasche war (Tätää, tätäää), und die Prinzessin, eine karinthische Schmalspur Walküre, regieren und verwechseln ihr unerbittliches Treiben gerne mit Politik, getreu ihrem Motto: Politik ist, wenn man trotzdem regiert (Tätää, tätäää). Kein Fettnapf ist diesen beiden Narren zu tief, keine Schwelle zu hoch, als dass sie sich nicht an die Spitze ihrer Karnevalsbewegung, eine Fusion aus “Wolfis Piemonter Prinzen- und Prinzessinnen Gilde” und der “Bärentaler Staffel / BS e.V.” stellten. Ihr Reich ist zwar nicht von dieser Welt, und diese findet das auch gar grauslich, aber “Mir Narre mache was wir wolle – jawolllll” (Tätää, tätäää). So ganz alleine, ohne Hofstaat und närrischen Kollegen macht das aber nur halb soviel Spaß. “Wolle mir sie reinlasse?” Nein, hallt es ihnen hunderttausendfach entgegen – aber Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps, also stürmen sie erbarmungslos Türen, die ihnen vor kurzen noch – aus guten Gründen, verschlossen waren. Besser erkennen könnte man ihre Gefolgschaft hätten sie doch das ganze Jahr ihre Narrenmützen auf – manche schauen, zugegeben bei oberflächlicher Betrachtung – wie ganz normale Menschen aus. Sind sie aber nicht. Könnte man, wie bei den Damen der Kompanie einen Blick unter den Rock auf die Unterwäsche werfen, der braune Strich wäre deutlich zu erkennen (Tätää, tätäää) der so manchen schon einen durch die Rechnung gemacht hat, und in schlimmeren Fällen noch machen wird.
Was anderenorts als ungustiös gilt, ist in Österreich eben lustig, und wenn schon nicht wirklich lustig, dann wenigstens Regierungspolitik. Und sie sind, wie es sich für rechte Narren geziemt, mit Spaß an der Freud dabei, schunkeln sich durch den Unmut der humorlosen Ausländer und frohlocken beim Rechtswalzer. Also, lasse mir sie rein! “Helau”, “Helaf” und ein dreifaches Tätää zum Einmarsch der Faschingsgarde! Andere Völker feiern, Deutsche und Österreicher lassen (Faschings)Kompanien im Gleichschritt zu (Faschings)Sitzungen einmarschieren, halten dort mit ernsten Gesichtern (Faschings)Reden, verleihen (Faschings)Orden – und nennen dies – richtig – Humor. “Wir habe schließlich Fasenach im Blut” – wie der Mainzer so treffend sacht.
Vor 60 Jahren haben sie in anderen Uniformen, aber trotzdem mit allerlei Beiwerk geschmückt, beispielsweise bunten Armbinden und witzigen Ansteckern wie Totenköpfen, versucht diese Form von Geselligkeit sogar über ganz Europa auszubreiten. Nach einigen Umzügen, einige davon ganz schön lange und weite, beispielsweise bis auf die Krim, mussten sie jedoch erkennen – war wohl nichts. Viele finden das heute noch schade. Statt des Reichsparteitages in Nürnberg, bleibt den Armen nun nur noch der Reichshumortag in Mainz. Und Villach statt Graz als Stadt der Bewegung. Marschieren tun sie aber trotzdem.
Kann es einen da befremden, dass Engländer, Franzosen und andere den Hunnen auch heute noch des Öfteren ratlos und befremdlich gegenüberstehen?
Ein Dreifaches “Helau” und “Helaf”.
Posted: Januar 23rd, 2011 | Author: OMG | Filed under: Randnotizen | No Comments » -->






